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Übernahme:Unbedenklich

Jes Munk Hansen

Zu teuer und zu aufwendig seien die Prozesse bei Osram gewesen, moniert Ledvance-Chef Jes Munk Hansen.

(Foto: oh)

Das ehemalige Osram-Lampen-Geschäft gehört nun einem chinesischen Konsortium.

Unbedenklichkeitsbescheinigung. Bis vor ein paar Monaten kannten dieses Wortungetüm allenfalls ein paar Ministerialbeamte und M&A-Anwälte, die bei Auslandsübernahmen just jene Bescheinigungen beantragten. Doch dann kam der Aixtron-Deal und das Wirtschaftsministerium in Berlin zog im vergangenen Herbst einen bereits ausgestellten Freibrief für den Chip-Anlagenhersteller zurück. Es war der Anfang vom Ende der Übernahme. Das sperrige Fachwort hingegen bleibt in Erinnerung. Zumal nur wenige Tage nach dem Aixtron-Zwischenfall die Unbedenklichkeitsbescheinigung ein zweites Mal die Runde machte, nachdem das Ministerium auch für die Übernahme des Osram-Lampen-Geschäfts durch ein chinesisches Konsortium ein intensiviertes Prüfverfahren angeordnet hatte. Das hatte es zuvor nicht gegeben.

Mit gut vier Monaten Verzug haben nun alle relevanten Behörden zugestimmt, das Osram-Lampen-Geschäft hat einen neuen Eigentümer. "Wir hatten keine Angst, dass unsere Produkte zu Raketen umgebaut werden können und sind deshalb immer davon ausgegangen, die notwendigen Genehmigungen zu bekommen", scherzt Jes Munk Hansen. Er ist der neue Chef von Ledvance, wie sich das ehemalige Osram-Kerngeschäft nun nennt. "Ich finde, die Furcht vor China ist übertrieben", sagt er.

Ende vergangenen Juli hatte Osram einen Käufer für sein kriselndes Geschäft mit den Energiesparlampen und Neonröhren präsentiert. Für etwa 400 Millionen Euro steigt der chinesische Hersteller MLS gemeinsam mit zwei Finanzinvestoren aus der Volksrepublik ein. Zudem kauft das Konsortium Osram LED-Chips im Wert von 300 Millionen Euro ab. Damit will Osram seine neue Chipfabrik in Malaysia, die derzeit errichtet wird, drei Jahre lang zu 20 Prozent auslasten.

Doch warum hat es bei Osram mit der LED-Produktion nicht geklappt? "Als Osram-Chef Olaf Berlien vor zwei Jahren angetreten ist, hat er fünf oder sechs Abteilungsleiter für ein Wochenende in die Berge eingeladen", erzählt Hansen. Einer davon war er selbst. "Bei diesem Treffen hat er mich gefragt, was brauchen Sie, um das Lampen-Geschäft erfolgreich zu machen? Ich habe ihm gesagt: Wir brauchen deutlich mehr Produkte und wir müssen viel schneller werden."

Noch bis vor einigen Jahren, da war das Geschäft mit den Lampen und den Leuchten sehr simpel. Der Weltmarkt wurde dominiert von drei Unternehmen: Philips aus den Niederlanden, General Electric aus den USA und eben Osram. Die großen drei kontrollierten etwa 80 Prozent des Geschäfts. Dementsprechend betulich reagierte die Branche.

"In einem normalen Jahr haben wir zehn neue Produkte entwickelt, bei der Konkurrenz sah es ähnlich aus", sagt Hansen "Das hat sich vollkommen verändert. Inzwischen liegen wir bei 200 neuen Produkten im Jahr. Nach neun Monaten gibt es in der Regel schon die nächste Produktgeneration." In den bestehenden Strukturen von Osram sei es unmöglich gewesen mit dem Markt mitzuhalten. "Die Entwicklungsprozesse bei Osram sind vielfach auf die Automobilindustrie abgestimmt", erklärt Hansen. "Es sind erstklassige, aber eben auch lange und aufwendige Prozesse, die viel Geld kosten. Ich brauche für meine Lampen vor allem günstige und robuste Chips. Kein High-End." Die meisten dieser Chips liefert künftig Miteigentümer MLS zu.

Werden dann in Zukunft überhaupt noch LED-Leuchten in Europa hergestellt? "Ja, natürlich. Lampen können beim Transport brechen, daher ist es sinnvoll, vor Ort zu produzieren", sagt Hansen und klingt dabei so, als sei das vollkommen unbedenklich.