Toyota:"Der Markt kommt irgendwann zurück"

SZ: Braucht Toyota Hilfe vom deutschen Staat?

Uyttenhoven: Wir haben keinen Antrag auf Staatshilfe in Form von Bürgschaften gestellt, auch nicht für unsere Toyota Kreditbank. Aber wir profitieren von den 2500 Euro Abwrackprämie.

SZ: Profitiert Toyota mehr als andere von der Prämie?

Uyttenhoven: Unsere Kunden sind überproportional im Privatmarkt zu finden. Da nur Privatkunden die Prämie in Anspruch nehmen können, profitieren wir vielleicht mehr als andere davon. Die Menschen, die jetzt zu uns kommen, orientieren sich vor allem an Autos, die relativ sparsam sind. Da sind wir sehr gut aufgestellt. Der Spritpreis ist zwar wieder niedriger, aber seit dem vergangenen Sommer wissen die Autofahrer, dass Benzin auch 1,50 Euro kosten kann. Da gibt es ein neues Bewusstsein.

SZ: Vom Prius und den drei Lexus-Hybrid-Modellen hat Toyota in Deutschland im vorigen Jahr gerade einmal 5400 Stück verkauft. Enttäuscht Sie das angesichts des Wirbels, der um die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotoren gemacht worden ist?

Uyttenhoven: Mit der Technologie im Prius definieren wir den Antrieb der Zukunft. Das Auto verkaufen wir schon seit 1997 in Japan und USA, seit 2000 in Deutschland. Weltweit sind 1,7 Millionen Hybrid-Autos von Toyota unterwegs.

SZ: Offenbar aber nur wenige in Deutschland?

Uyttenhoven: Hier spielt der Diesel-Motor eine starke Rolle, was in Asien und Amerika nicht der Fall ist. Deshalb ist der Prius in diesen Regionen erfolgreicher als in Deutschland. Allerdings: Beim hohen Benzinpreis im Sommer konnten wir unsere Verkäufe verdreifachen. In Europa haben wir 2008 die Anzahl der Hybridautos verdoppelt. Das zeigt: Wir bewegen uns in die richtige Richtung.

SZ: BMW verteilt gerade 500 elektrische Minis in den USA. Wann kann man denn ein Elektroauto von Toyota kaufen?

Uyttenhoven: Toyota hatte schon 1998 den Freizeitwagen RAV als Elektroauto. Es gab eine Flotte mit 500 Fahrzeugen. Sie wurde zu Langzeittests auf drei Kontinenten verleast. Aber die Batterietechnik war noch nicht alltagstauglich. Jetzt haben wir zehn Jahre mehr Erfahrung. Alle Komponenten eines Elektroautos stecken auch in einem Hybridauto. Man darf nicht den Eindruck erwecken, die Probleme rund um das Elektroauto seien rasch zu lösen. Das dauert noch. Wir haben jetzt ein Konzeptauto vorgestellt, das man ab 2012 kaufen kann.

SZ: Das Elektroauto ist also noch keine Lösung für die aktuellen Probleme. Wann hört Ihrer Ansicht nach die Krise auf?

Uyttenhoven: In Amerika gab es viele Menschen, die an neue Autos kamen, obwohl sie das Geld dafür nicht hatten. Sie werden auf Autos verzichten müssen. In Japan hält wie in Deutschland mehr eine Vertrauenskrise die Menschen davon ab, sich ein Auto anzuschaffen.

SZ: Hilft das deutsche Konjunkturpaket?

Uyttenhoven: Die Regierung hat einen richtigen Schritt gemacht mit der Abwrackprämie. Sie hat außerdem Klarheit geschaffen bei der CO2-basierten Kfz-Steuer. Das begrüßen wir. Mit den Maßnahmen könnten es in diesem Jahr nun doch 2,85 Millionen Neuzulassungen in Deutschland werden, woran wir schon nicht mehr geglaubt hatten.

© SZ vom 07.02.2009/pak
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