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Tarifstreit:IG Metall startet Warnstreiks

Vier Verhandlungsrunden waren ergebnislos geblieben, nun zeigt sich die Gewerkschaft "kampfbereit" - und erhöht den Druck auf die Arbeitgeber: Mehrere hundert Beschäftigte aus dem gesamten Bundesgebiet traten in den Warnstreik.

Nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden und mit dem Ende der Friedenspflicht in der Metallindustrie hat die IG Metall in der Nacht zum Sonntag erste Warnstreiks gestartet.

IG Metall

Osram-Beschäftigter in Berlin: Kurz nach Mitternacht begannen die Warnstreiks.

(Foto: Foto: dpa)

In Andernach in Rheinland-Pfalz versammelten sich rund 700 Metallerinnen und Metaller des Weißblech-Herstellers Rasselstein vor dem Werkstor. Knapp 100 Nachtschichtler legten beim Autozulieferer Continental Teves in Rheinböllen für eine Stunde die Arbeit nieder.

In Niedersachsen legten um Punkt 0.01 Uhr am Sonntag rund 200 Beschäftigte des Autozulieferers Bosch in Hildesheim und Salzgitter sowie von MAN Nutzfahrzeuge in Salzgitter ihre Arbeit nieder.

In Berlin-Spandau traten rund 150 Mitarbeiter des Osram-Werks in einen Warnstreik, wie die IG Metall mitteilte. Der Aufruf zu dem etwa einstündigen Ausstand war der Auftakt zu einer Reihe weiterer Protestaktionen in den nächsten Tagen.

Die bayerische IG Metall stimmte sich mit einer Protestaktion bei MAN Diesel in Augsburg in der Nacht zum Sonntag auf die geplanten Warnstreiks in der kommenden Woche ein. Punkt Mitternacht leuchtete vor den Werkstoren die 6,5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft in Form eines Standfeuerwerks auf. Die Friedenspflicht sei bundesweit abgelaufen, sagte Bezirkschef Werner Neugebauer vor 400 Betriebsräten und Vertrauensleuten.

"Damit stehen wir vor einer harten und heftigen Auseinandersetzung." In Andernach sagte der IG-Metall-Vize Berthold Huber, wenn die Arbeitgeber kein vernünftiges Angebot vorlegten, werde es "massive, ausgedehnte Warnstreikaktionen" und - wenn es nicht anders gehe - auch einen Arbeitskampf geben. "Die IG Metall ist dann kampfbereit. Sie wird diesen Konflikt dann führen", sagte Huber. Er bekräftigte, das bislang vorgelegte Angebot sei zu niedrig. "Das ist keine faire Beteiligung und wird der hervorragenden wirtschaftlichen Lage, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, nicht gerecht", sagte er. "Wir brauchen spürbare, dauerhafte und stabile Entgelterhöhungen."

Es sei nicht akzeptabel, dass die Arbeitgeber versuchten, tabellenwirksame Tariferhöhungen langfristig zu einem immer größeren Teil durch Einmalzahlungen zu ersetzen. "Selbstverständlich sind wir auch weiterhin zu Verhandlungen bereit", sagte der IG-Metall-Vize. "Aber wir wollen eine faire, eine anständige Lösung." Die Hoffnungen auf einen Durchbruch richten sich jetzt auf Baden- Württemberg, wo am Donnerstag (3. Mai) die fünfte Runde angesetzt ist. Ob es zu einem Arbeitskampf komme, werde sich bis Mitte Mai entscheiden, sagte Huber.

Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld für die bundesweit rund 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie. Die Arbeitgeber bieten bisher 2,5 Prozent mehr Entgelt und einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent. Über einen befristeten Konjunkturbonus werde die Gewerkschaft nicht verhandeln, bekräftigte IG-Metall-Chef Peters in der Süddeutschen Zeitung.

Für den Verlauf der kommenden Woche droht die IG Metall mit einer massiven Ausweitung. "In mehr als 400 Betrieben allein im Südwesten wird es Aktionen geben", sagte der dortige IG-Metall-Bezirksleiter, Jörg Hofmann, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser warnte unterdessen eindringlich vor einem Arbeitskampf.

"In der derzeitigen konjunkturellen Lage würden Streiks viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie erheblich treffen", sagte Kannegiesser der dpa. Es bestehe die Gefahr, dass Kundenbeziehungen beschädigt und die Auswirkungen auf alle zurückfielen. Er forderte erneut eine schnelle Einigung.