SZ-Versicherungstag "Wir haben keine Ideen, aber Größe"

Axa-Chef Thomas Buberl möchte mit Start-ups kooperieren, statt große Übernahmen zu stemmen.

Von Friederike Krieger und Patrick Hagen, Bergisch-Gladbach

Wer hat eigentlich Interesse am italienischen Versicherer Generali? Auf diese Frage gibt es mittlerweile Antworten. Während die Turiner Banca Intesa Sanpaolo inzwischen bestätigt hat, dass sie ein Zusammengehen mit der Gesellschaft prüft, hat Axa-Chef Thomas Buberl einem Kauf des Konkurrenten eine klare Absage erteilt. Solch ein Schritt käme bei den Investoren des französischen Konzerns gar nicht gut an, sagte er beim Versicherungstag der Süddeutschen Zeitung. Er habe kürzlich mit einem führenden Versicherungsanalysten darüber gesprochen. "Er hat gesagt: Thomas, wenn Du das tust, wirst Du gekreuzigt", sagte Buberl. "Ich will aber weiterleben."

Schon seit Monaten gibt es Spekulationen im Markt, dass Generali von einem Konkurrenten übernommen werden könnte. Anfang dieser Woche hatte sich die Diskussion wieder verstärkt. Italienische Medien hatten der Intesa Interesse an einem Kauf der Generali nachgesagt, möglicherweise zusammen mit der Allianz. Aber auch die Axa wurde immer wieder als möglicher Käufer ins Gespräch gebracht - nicht zuletzt deswegen, weil Generali-Chef Philippe Donnet zuvor für den französischen Versicherer gearbeitet hatte. Diese Spekulationen hat Buberl nun zurück gewiesen.

Die vier großen Versicherer kämpfen mit unterschiedlichen Problemen

Die Diskussionen zeigen aber, dass sich im Klub der vier großen Versicherer Allianz, Axa, Generali und Zurich etwas bewegt. Dazu tragen mehrere Faktoren bei: Die Generali leidet unter der Schwäche der italienischen Finanzwirtschaft und dem schlechten Rating von Staatsanleihen in ihrem Heimatmarkt. Die Zurich hat Probleme im Geschäft mit Haftpflichtversicherungen in den USA. Allianz und Axa finden es zunehmend schwieriger, aus eigener Kraft hohes Wachstum zu erzielen. Größere Einheiten würden die enormen Kosten der Digitalisierung besser verteilen. Und eine bessere Präsenz in mehr globalen Märkten macht die Anbieter interessanter für globale Konzerne, die Versicherungen gern aus einer Hand hätten.

Buberl, der im September vergangenen Jahres als erster Deutscher den Spitzenposten bei der Axa angetreten hatte, fremdelt allerdings noch mit Großübernahmen. Wenn jemand den Markt umkrempeln wolle, dann solle er das machen - "Unsere Strategie ist das nicht", sagte er. Buberl sieht die Zukunft eher in der Zusammenarbeit mit Versicherungs-Start-ups, den sogenannten Insurtechs, die momentan im Kommen sind. "Wir müssen in Partnerschaften denken", sagte er. Versicherer seien als Investoren geradezu prädestiniert. "Start-ups haben super Ideen, wissen aber nicht, wie sie groß werden sollen. Wir haben keine Ideen, aber wir haben Größe", sagte er. "Wenn man beides zusammenbringen kann, entstehen optimale Synergien."

Als Beispiel nannte Buberl das Investment seines Versicherungskonzerns in das Start-up Biobeats, das sich mit Stressmessung und -bewältigung beschäftigt. "Biobeats hat jetzt so viele Kunden, wie sie es allein nicht geschafft hätten", sagte Buberl. Und Axa kann sich so als Unternehmen profilieren, das nicht nur Schäden zahlt, sondern seinen Kunden auch hilft, sie zu reduzieren.

"Wir müssen zunehmend zum Risikomanager und Assistance-Dienstleister werden", sagte auch Markus Rieß, Chef des zur Munich Re gehörenden Versicherers Ergo. "Die Kunden wollen nicht das Geld für den verlorenen Mantel haben, sondern sie wollen den Mantel ersetzt haben."

Um mit der fortschreitenden Digitalisierung und den sich verändernden Kundenbedürfnissen Schritt zu halten, setzen auch die Ergo und ihre Muttergesellschaft auf Investitionen in Start-ups und Kooperationen und bauen digitale Garagen auf, in denen sie technikaffine Mitarbeiter an neuen Produkten werkeln lassen. Daneben hat Ergo mit Nexible eine volldigitale Versicherungsgesellschaft gegründet.

Rieß glaubt zwar nicht, dass es zu plötzlichen, revolutionären Umwälzungen in der Branche kommen wird.

"Das disruptive Element wird überschätzt", sagte er. Dennoch sieht er eine Bedrohung für die etablierten Anbieter. "Wenn der technische Fortschritt auf Jahre so bleibt, besteht die Gefahr, dass wir als Versicherer nicht mehr hinterherkommen", so der Ergo-Chef. "Die Geschwindigkeit der Umwälzung ist eine enorme Herausforderung."

Neugründungen auf der grünen Wiese hätten Vorteile gegenüber traditionellen Anbietern.

Nicht jeder neue Wettbewerber ist so gefährlich, wie er auf den ersten Blick wirkt, gab Birgit König, Chefin der Allianz Private Krankenversicherung, zu bedenken.

Es gebe jede Menge neuer Hypes, darunter seien auch zahlreiche Scheinriesen, wie sie überbewertete Projekte nannte. Dazu zählte sie Apps, vor allem solche aus dem Gesundheitsbereich. "Es vergeht keine Woche, in der ich nicht ein Angebot von einem Start-up für eine App bekomme", sagte sie. Viele seien aber nutzlos.