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Steuereinnahmen:Wie der Staat an illegalen Sportwetten mitverdient

  • Sportwetten sind in Deutschland formal nach wie vor illegal.
  • Trotzdem hat sich der Betrag, den der Staat mit der Sportwettensteuer einnimmt, in den letzten drei Jahren fast verdreifacht.
  • 40 private Anbieter sollen bald eine Konzession erhalten - geplant war das ursprünglich für nur 20.

Von Jan Willmroth

Für Anbieter von Sportwetten wird 2016 ein gutes Jahr. Gerade treibt die Endrunde der Champions-League die Fußballfans in die Wettbüros und auf die Webseiten. Wenn im Juni die Europameisterschaft beginnt, geht es dann so richtig los. Ohnehin werden Wetten auf Sportereignisse von Jahr zu Jahr beliebter.

Das freut auch die Finanzbehörden. Derzeit zahlen 79 Sportwettenanbieter in Deutschland Steuern. Das zeigt ein Bericht der Bundesregierung an den Finanzausschuss des Bundestags, welcher der SZ vorliegt. Für jeden Euro, den Kunden auf den Ausgang eines Fußballspiels setzen, fallen fünf Prozent Wettsteuer an. Die meisten Anbieter wälzen diese auf ihre Kunden ab, ihren Sitz haben sie in der Regel in Niedrigsteuerländern wie Malta oder Gibraltar.

Trotzdem verdient der Staat gut mit: Laut Bericht haben die Länder 2015 mehr als 240 Millionen Euro aus der Sportwettensteuer eingenommen. Der Betrag hat sich innerhalb von drei Jahren fast verdreifacht. Für die Besteuerung ist es unerheblich, ob Sportwetten gegen ein gesetzliches Verbot verstoßen. So sprudeln die Steuereinnahmen, während die Regulierung des Marktes nach wie vor nicht funktioniert.

Auf dem Papier sind Sportwetten nach wie vor illegal

Denn Sportwetten sind in Deutschland bislang illegal. Das gilt aber nur noch auf dem Papier: Nach den Plänen der Bundesländer, die das Glücksspiel in weitgehend regeln, sollten von 2012 an 20 Wettanbieter eine bundesweite Erlaubnis erhalten. Zahlreiche Klagen haben das Verfahren verzögert; es gilt als gescheitert. Noch ist kein einziger privater Anbieter erlaubt. Gleichwohl gibt es inzwischen bundesweit mehr als 4500 Wettbüros. Die Ministerpräsidenten wollen statt der 20 nun 40 Konzessionen vergeben. Eine Beschränkung auf 40 Konzessionen sei allerdings ebenso willkürlich wie eine auf 20, kritisiert der Deutsche Sportwettenverband.

Zuletzt hatte der hierzulande größte Wettanbieter Tipico vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden mit einer Klage gegen das Konzessionsverfahren Recht bekommen. Das hessische Innenministerium hatte angegeben, es gebe derzeit mindestens 85 mögliche Bewerber um Sportwetten-Erlaubnisse. Die Steuereinnahmen dürften so weiter steigen. Nicht nur wegen der EM.

© SZ vom 21.04.2016/vit
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