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Spitzel-Skandal:Das Who's Who der Telekom-Affäre

Die Spitzel-Affäre bei der Telekom trifft jetzt auch das Top-Management: Die Staatsanwaltschaft Bonn hat die Konzernzentrale der Telekom durchsucht, inzwischen laufen laut SZ-Informationen Ermittlungen gegen den ehemaligen Chefkontrolleur Klaus Zumwinkel und Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke. Die Beteiligten des Telekom-Skandals in Bildern.

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Die Spitzel-Affäre bei der Telekom trifft jetzt auch das Top-Management: Die Staatsanwaltschaft Bonn hat bereits die Konzernzentrale der Telekom durchsucht, inzwischen laufen laut SZ-Informationen Ermittlungen gegen den ehemaligen Chefkontrolleur Klaus Zumwinkel und Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke. Die Beteiligten des Telekom-Skandals in Bildern.

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Name: Klaus Zumwinkel

Funktion: Aufsichtsratschef Telekom (März 2003 bis Februar 2008)

Rolle: In seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates hatte der ehemalige Post-Chef Zumwinkel viel Macht. Hat er sie ausgenutzt, um Journalisten und gesprächige Mitarbeiter ausspionieren zu lassen? Der ehemalige Telekom-Personalvorstand Klinkhammer gab zu Protokoll, der Auftrag, die Lücken für Indiskretionen im Unternehmen zu finden, sei "aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erteilt" worden. Zumwinkel weist die Vorwürfe zurück. Sein Sprecher erklärte, der ehemalige Telekom-Aufsichtsrat habe keinen persönlichen Auftrag erteilt. Die Staatsanwaltschaft Bonn bezweifelt das offenbar. Sie ermittelt inzwischen gegen den einst allmächtigen Zumwinkel.

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Name: Kai-Uwe Ricke

Funktion: Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom (November 2002 bis November 2006)

Rolle: Der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt, dessen Vater Helmut zwischen 1990 und 1994 Vorstandschef der Deutschen Bundespost Telekom war, sieht sich derzeit mit starken Anschuldigungen konfrontiert. Denn die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den heute 46-Jährigen wegen des Verdachts auf Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses. Der ehemalige Personalvorstand der Telekom, Heinz Klinkhammer, hat Ricke schwer belastet. Der ehemalige Konzernchef dementierte die Vorwürfe inzwischen mehrfach. Ricke gab zwar zu, seinerzeit angeordnet zu haben, die Quelle von Indiskretionen zu suchen und diese abzustellen. Der ehemalige Telekom-Chef sagte der Süddeutschen Zeitung jedoch, von den illegalen Aktionen habe er nichts gewusst. "Ich habe zu keinem Zeitpunkt einen Abgleich von Telefondaten in Auftrag gegeben." Ihm seien auch zu keinem Zeitpunkt Ergebnisse einer solchen Aktion mitgeteilt worden.

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Name: Heinz Klinkhammer

Funktion: Ehemaliger Personalvorstand der Deutschen Telekom (Februar 1996 bis Mai 2007)

Rolle: Als Personalvorstand war Heinz Klinkhammer zum Zeitpunkt der Überwachungs-Aktionen auch für die Abteilung Konzernsicherheit verantwortlich. Von den Spitzeleien hat der Ex-Vorstand nach eigenen Angaben jedoch nichts gewusst. Der Auftrag, die Lücken für Indiskretionen im Unternehmen zu finden, sei direkt "aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erteilt" worden - an ihm vorbei.

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Name: Wilhelm Wegner

Funktion: Vorsitzender des Konzernbetriebsrats und des Europäischen Betriebsrats der Telekom (seit Juli 1996)

Rolle: Wegner war offenbar die undichte Stelle, nach der die Telekom-Spitzel suchten. Verdächtig machte er sich durch ein Telefonat mit dem Capital-Redakteur Reinhard Kowalewsky. Kurz darauf veröffentlichte der einen Bericht, in dem er aus einem internen Papier zitierte, das nur dem Aufsichtsrat bekannt war. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll der damalige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel den Betriebsratschef Wegner kurz danach zur Rede gestellt haben.

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Name: Reinhard Kowalewsky und Tasso Enzweiler

Funktion: Wirtschaftsjournalisten

Rolle: Kowalewsky schreibt für das Wirtschaftsmagazin "Capital". Er hatte in den Jahren 2005 und 2006 wiederholt Interna aus Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen der Telekom ausgebreitet. Es war offenbar nicht das erste Mal, dass die Telekom durch das Bespitzeln von Journalisten versuchte, undichte Stellen im Konzern zu finden. Bereits im Jahr 2000 erteilte die Telekom offenbar Spitzel-Aufträge. Damals im Visier: Tasso Enzweiler, der damalige Chefreporter der Financial Times Deutschland. "Ich war erschrocken, weil ich das so nicht erwartet hätte", sagte Enzweiler, der heute als Kommunikationsberater arbeitet.

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Name: Ralph Kühn

Funktion: Geschäftsführer der Berliner network.deutschland GmbH

Rolle: Die auf Kommunikationssicherheit in Unternehmen spezialisierte Firma soll im Auftrag der Telekom nach undichten Stellen im Konzern gesucht und dafür Verbindungsdaten von Telefonaten ausgewertet haben. Das Handelsblatt zitierte Kühn mit den Worten, der Auftrag zur Auswertung von Verbindungsdaten sei von "ganz oben" gekommen und mit dem Vorstand abgestimmt worden. Kühn distanzierte sich wenig später allerdings von dem Bericht. Von ihm geäußerte Vermutungen seien zu Tatsachen gemacht worden, so Kühn. Und: Die Rolle seiner Firma sei "falsch geschildert und überhöht" worden.

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Name: Ron Sommer

Funktion: Vorstandschef der Deutschen Telekom (Mai 1995 bis Juli 2002)

Rolle: Medienberichten zufolge soll die Telekom bereits 2000 einen Spitzelauftrag erteilt haben - dann wäre auch die Ära Ron Sommer vom Skandal beim ehemaligen Staatskonzern tangiert. Der Auftrag soll damals an die Berliner Control Risks Group (CRG), einer international tätigen Unternehmensberatung für Krisenmanagement und Ermittlungen, gegangen sein, berichtete die Financial Times Deutschland. Diesen Auftrag soll ein Mitarbeiter vergeben haben, der später zum Leiter der Telekom-Konzernsicherheit aufgestieg. Sein Name: Harald Steininger. Unklar ist derzeit aber, in wessen Auftrag er handelte.

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Name: René Obermann

Funktion: Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom (seit November 2006)

Rolle: Die erste Bespitzelung eines Journalisten wurde bei der Telekom bereits im Sommer 2007 entdeckt. René Obermann war damals schon Konzernchef - und reagierte. Zwar entließ er den Sicherheitschef und krempelte die komplette Sicherheitsabteilung um, die betroffene Redaktion wurde damals jedoch nicht informiert. Erst als eine Berliner Sicherheitsfirma Ende April Geld für geleistete Spitzeldienste forderte, wurde die Spitzel-Affäre öffentlich. Er holte eine externe Anwaltskanzlei ins Unternehmen.

Foto: dpa (sueddeutsche.de/tob/mel)

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