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Sommerschlussverkauf:Offiziell abgeschafft, inoffiziell gestartet

Der Schlussverkauf ist tot - es lebe der Schlussverkauf. Gut zwei Wochen nach der Abschaffung der gesetzlichen Schlussverkaufsregelung starteten Händler in vielen deutschen Städten am Montag den ersten "freiwilligen" Schlussverkauf. Doch die Begriffsverwirrung ist groß.

Gut zwei Drittel der Geschäfte wollen sich laut Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) meist für zwei Wochen an dem SSV unter neuen Vorzeichen beteiligen.

Das ganze findet allerdings nicht mehr unter dem einheitlichen Begriff "Sommerschlussverkauf" statt. Viele Händler beschränken sich vielmehr auf den Begriff "Sale", was auch immer das heißen mag. In Deutschlands umsatzstärkster Einkaufsmeile - der Münchner Kaufingerstraße war beispielsweise auch von "Männerschlussverkauf" oder "KSV" die Rede.

Nachdem Anfang Juli das neue Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) in Kraft trat, ist die Zeit staatlich geregelter Schlussverkäufe im Handel endgültig vorbei. Geschäfte können nun selbst entscheiden, ob und wann es Sonderverkäufe gibt.

Nach monatelanger Konsumflaute hofft die Branche nun auf Impulse für das Geschäft.

"Wir müssen gewaltig die Ärmel hochkrempeln."

Noch bestehe eine Chance, nach den enttäuschenden Umsätzen der vergangenen Monate die Prognose von einem leichten Plus von 0,5 Prozent im Gesamtjahr zu erreichen, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr in Berlin. Dafür müsse aber im Juli das Ergebnis des Vorjahresmonats deutlich übertroffen werden. "Wir müssen gewaltig die Ärmel hochkrempeln."

Anzeichen für eine etwas besser werdende Stimmung gebe es. "Der Sommerschlussverkauf ist ein Erfolgsprojekt, das den Umsätzen einen Schub gibt", sagte Frank Albrecht vom hessischen Einzelhandelsverband.

Wie in den vergangenen Jahren können Schnäppchenjäger wieder mit Rabatten bis zu 70 Prozent rechnen. Vor allem bei leichter Kleidung, die wegen des durchwachsenen Wetters noch reichlich in den Lagern liegt, sinken die Preise kräftig. Erstmals dürfen im SSV auch Haushaltswaren, Möbel und Elektroartikel reduziert werden.

Im Berliner Nobelkaufhaus KaDeWe wollte man indes nicht bis zum Montag warten und startete bereits am 19. Juli eine dreiwöchige "Sommer-Sales-Aktion".

"Schwarze Null"

Der Handelsverband BAG, der vor allem Textilgeschäfte und Warenhäuser in Innenstädten vertritt, hält vorerst am Ziel fest, dass die Branche 2004 eine "schwarze Null" beim Umsatz erreichen könne.

Wenn das zweite Halbjahr nicht so schlecht laufe wie 2003, sei dies noch zu schaffen, sagte eine Sprecherin. Sorgen macht den Kaufleuten auch die geplante Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.

"Hartz IV wird allein in Thüringen einen Kaufkraftverlust von 180 Millionen Euro bewirken", sagte der Hauptgeschäftsführer des dortigen Einzelhandelsverbands, Wolfgang Bernhardt.

© sueddeutsche.de/dpa
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