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Solarfirma Reinecke + Pohl:Knastgang mit Folgen

Das Solarenergie-Unternehmen Reinecke + Pohl hat seine Tochterfirma Nastro an zu langer Leine geführt. Nachdem der Nastro-Geschäftsführer wegen Betrug ins Gefängnis musste, trat ein System mit Luftbuchungen zu Tage.

Meite Thiede

Bei der Hamburger Solar-Firma Reinecke + Pohl Sun Energy herrscht Chaos. Bei seiner Einkaufstour 2005 hat sich das Unternehmen in einem Fall so gründlich vergriffen, dass jetzt eine Katastrophenmeldung die nächste jagt und der ganze Konzern ins Trudeln gerät.

Techniker an einem Modul eines Solarkraftwerks.

(Foto: Foto: dpa)

Erst gab der Geschäftsführer der Meppener Tochter Nastro Umwelttechnik, Hermann Müller, Mitte Oktober überstürzt seinen Job auf, weil er eine Gefängnisstrafe antreten musste. Wie zu hören ist, geht es um Scheckbetrug im Zusammenhang mit einem Konkurs; das Urteil ist zwei Jahre alt.

Reinecke + Pohl hatte Nastro, einen Spezialisten für Solar-Anlagen auf Scheunendächern, erst im Mai 2005 erworben.

Umsätze ohne Auftrag

Müllers Gang in den Knast hatte im Konzern Folgen: Der zur Klärung engagierte Wirtschaftsprüfer Ernst & Young stellte ,,Unregelmäßigkeiten'' fest, nämlich verbuchte Umsätze, denen nicht einmal ein Auftrag zugrunde lag.

Die Prüfer bescheinigten dem Vorstand der Holding außerdem mangelndes Controlling. Am Wochenende wurde deshalb Vorstandssprecher Martin Schulz-Colmant vor die Tür gesetzt. Jetzt versucht sich Finanzvorstand Patrick Arndt in Meppen mit Schadensbegrenzung. Und der Geschäftsführer der Tochter Maaß, Thorsten Preugschas, wurde in den Vorstand berufen.

Reinecke + Pohl muss seine Planungen nun drastisch zusammenstreichen: Anstatt 117 wird der Umsatz 2006 nur noch 58 Millionen Euro erreichen und das Ebit wird statt plus zehn Millionen Euro bei minus 3,8 Millionen Euro landen.

Der Aktienkurs des im Prime Standard des geregelten Marktes notierten Photovoltaik-Unternehmens brach am Montag um mehr als ein Viertel ein.

Ein genialer ,,Börsenmantel-Spezialist''

Doch einige Großaktionäre können sich glücklich schätzen, dass sie noch rechtzeitig ihre Aktienpakete verkauft hatten. Philip Moffat zum Beispiel, der manchen Börsianern als ein genialer ,,Börsenmantel-Spezialist'' gilt, hat im September seine sechs Prozent Aktien komplett verkauft. Der Streubesitz liegt inzwischen bei 60 Prozent.

Monika Müller, die Gattin des Häftlings Müller, hält nach wie vor fünf Prozent. Die Sache entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Frau Müller und Moffat sind die Altgesellschafter von Nastro.

Beim Verkauf 2005 überließ Frau Müller der Firma dem Herrn Müller im Rahmen eines Geschäftsführungsvertrags für die Geschäftsleitung, ist im Geschäftsbericht nachzulesen. Da hatte der Gatte schon die Aussicht, hinter Gittern zu landen.

© SZ vom 14.11.06
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