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Schärfere Regeln für Spielautomaten:Ende der Automatiktaste

Glücksspielgesetz teilweise verfassungswidrig

Spielautomaten locken mit dem Versprechen vom großen Gewinn, doch freilich lösen sie es nur selten ein.

(Foto: dpa)

Spielautomaten gelten als gefährlichste Variante des Zockens. Das Wirtschaftsministerium plant schärfere Regeln. Einige Tricks sollen ausgeschaltet werden - wie das umstrittene Punktespiel.

Es blinkt und piept, flimmert und tutet. In Kneipen und Spielhallen in fast jedem Ort locken Spielautomaten mit dem Versprechen vom großen Gewinn und der kleinen Zerstreuung. Für Zocker ist das unwiderstehlich. Anders als bei so gut wie allen anderen legalen Formen des Glücksspiels - Sportwetten, Kasino-Spielen oder Lotto - sind die Maschinen bisher aber eher schwach reguliert.

Dabei machen Spielautomaten mehr als die Hälfte des über 30 Milliarden Euro schweren deutschen Glücksspielmarkts aus. Und Experten sehen in ihnen die gefährlichste Variante des Zockens, weil sie besonders süchtig machen.

Die Schwäche bei der Suchtprävention will die Bundesregierung nun mit einer Reform der Spieleverordnung beheben. Vor allem soll das Regelwerk eine Lücke schließen. Durch sie konnten Automatenbetreiber bisher Schutzschranken wie maximale Gewinne und Verluste pro Stunde leicht umgehen, monieren Kritiker. Denn das eingezahlte Geld wird an vielen Automaten in Punkte umgewandelt, um die dann gezockt wird.

"Durch das Umrechnen von Geld in Punkte fallen die Begrenzungen für Einsätze, Gewinne und Verluste der Spielverordnung weg" , erklärt der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, Tilman Becker. Durch den stärkeren Reiz und das schnellere Spiel steige das Suchtpotenzial am Automaten aber deutlich.

Die Automatiktaste an Spielautomaten soll wegfallen

Insgesamt dürfte die Anzahl der Menschen mit problematischem oder pathologischem Glücksspielverhalten in Deutschland bei rund 400 000 liegen, schätzen Experten. Gerade für diese Menschen sind Automaten besonders gefährlich. "Das Punktespiel umgeht gezielt die Vorgaben der Spielverordnung für den Spielerschutz", so Beckers Urteil. Erzielt der Spieler beispielsweise einen hohen Gewinn, werden die erreichten Zähler wieder in Geld umgerechnet, aber nötigenfalls über einen längeren Zeitraum gestreckt ausgezahlt, um die Vorgaben einzuhalten.

Damit soll nun Schluss sein. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dazu einen neuen Entwurf für die Spielverordnung bei der EU-Kommission zur Notifizierung eingereicht. Er sieht ein generelles Verbot des Punktespiels vor. Außerdem sollen maximal zwei statt bisher drei Spielautomaten pro Kneipe erlaubt sein. Zugleich werden der pro Stunde mögliche Verlust um 20 auf 60 Euro und der maximale Gewinn pro Stunde um 100 auf 400 Euro sinken.

Auch die Automatiktaste soll künftig wegfallen. Sie ermöglichte, an mehreren Automaten gleichzeitig zu zocken. Damit haben sich die Bundesländer durchgesetzt, die der Reform der Verordnung im vergangenen Juli nur mit Bedingungen zugestimmt hatten. Läuft nun alles nach Plan, könnten die verschärften Regeln ab Herbst gelten, hieß es am Montag aus dem Wirtschaftsministerium. Dass damit sofort alle alten Automaten verschwinden, ist aber unwahrscheinlich.

So rechnet der größte Anbieter, die Gauselmann-Gruppe, mit einer Übergangsfrist bis ins Jahr 2017. Allerdings könnten die Zulassungen für den Bau neuer Geräte sofort erlöschen, fürchtet das Unternehmen. Der Verband der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) wollte sich mit Hinweis auf das laufende EU-Notifizierungsverfahren nicht äußern. "Die Neuregelung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht der große Wurf", sagt Ilona Füchtenschnieder von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW.

Sie hätte sich ein generelles Verbot von Spielautomaten in der Gastronomie gewünscht, auch wegen des besseren Jugendschutzes. Außerdem hält die Expertin die Eckwerte für Gewinne und Verluste für weiterhin hoch. "Trotzdem war diese Neuregelung längst überfällig und wird die Spieler besser schützen", ist sie überzeugt.

© SZ vom 24.06.2014/fued
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