Robo Advisors Robos im Aufwind

Auch unterwegs erhält der Kunde über einen automatisierten Pfad einen Vorschlag, der seinen persönlichen Vorlieben bei der Kapitalanlage entsprechen soll.

(Foto: Brendan McDermid/Reuters)

Es gibt immer mehr digitale Vermögensplattformen auf dem Markt. Diese unterscheiden sich teils erheblich. Robo Advisors bieten viele Vorteile, doch nicht alle sind günstig. Verbraucher sollten auf die Preise achten und sich genau informieren.

Von Marcel Grzanna

Es ließe sich prächtig über die Frage streiten, wann ein Robo Advisor seinen Namen verdient. Eine klare Definition für diese neue Form der digitalen Vermögensverwaltung gibt es nicht. Aber eine wachsende Zahl von Anbietern springt auf den Zug auf und hat allein in Deutschland bereits ein paar Milliarden Euro eingesammelt mit dem Versprechen, sie gewinnbringend für ihre Kunden anzulegen.

Die Stiftung Warentest nahm im Sommer dieses Jahres 23 Angebote unter die Lupe, die als Robo Advisors vermarktet werden. Viele Start-ups waren darunter, aber auch Produkte traditioneller Banken. Doch wer im Internet nach Robo Advisor sucht, kriegt deutlich mehr Treffer. Ein zentraler Punkt sind die Kosten. Denn das Kernprinzip der Robo Advisors ist die Steigerung der Effizienz bei der Vermögensanlage. Alles geht einfacher, schneller und transparenter. Das spart den Anbietern Zeit und Aufwand und damit bares Geld. Wo diese Ersparnis den Kunden nicht erreicht, wird an der Kernidee der Robos vorbei gearbeitet. Stiftung Warentest warnte bereits vor knapp zwei Jahren: "Robo-Advisors, die bei einem Aktienanteil von unter 50 Prozent wesentlich mehr als 0,5 Prozent an Gebühren verlangen, werden nicht empfohlen." Doch auch für Robo Advisors gilt: Je mehr persönliche Beratung vom Kunden angefragt wird, desto höher sind meist die Gebühren.

Eines haben die Angebote immerhin gemeinsam: Der Weg eines Kunden zum Anlageportfolio führt ihn über seinen Laptop, sein Tablet oder sein Mobiltelefon. Von überall, der Wohnzimmercouch oder dem Strandkorb aus, erhält der Kunde über einen automatisierten Pfad einen Vorschlag, der seinen persönlichen Vorlieben bei der Kapitalanlage entsprechen soll. Wer es riskant mag, bekommt von einem Algorithmus ein Paket geschnürt, das vorsichtigen Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Wer einfach nur ein bisschen mehr aus seinem Geld machen möchte, als ein Sparkonto es bieten kann, dem wird ein grundsolides Portfolio aus Aktien und Anleihen vorlegt, das Zockern als stinklangweilig gelten würde. Kontakt mit Menschen hat der Kunde bis hierhin noch nicht. Ein paar Fragen genügen dem Robo, um das vermeintlich beste Produkt vorzulegen.

"Was hinter dieser Schranke, also quasi im Maschinenraum des Anbieters geschieht, wenn ein Kunde sich für ein Portfolio entschieden hat, kann höchst unterschiedlich sein. Bei der Nutzung des Begriffs Robo Advisor gibt es inzwischen sehr viel Fantasie", sagt Salome Preiswerk, Gründerin und Geschäftsführerin von Whitebox, einem Start-up, das seine Kunden vom Vertragsabschluss bis zur Kündigung digital begleitet. Tatsächlich reicht das Spektrum von solchen Robos, die als reine Auswahlhilfe dienen bis zu jenen Robos, die mit deutlich mehr Zeitaufwand das Portfolio der Kunden zu optimieren versuchen. Auch beim Reporting, quasi der Informationsfluss zwischen Anleger und Anbieter, sind die Unterschiede enorm. Was bleibt, ist die zentrale Frage nach den finanziellen Zielen des Anlegers, die die Branche eint. Geht es um einen Rentenplan in 30 Jahren oder um die schnellstmögliche Erfüllung des Traumes von einem Sportwagen?

Robo Advisors sollten nicht nur günstig sein, auch der Service muss stimmen

In den Großbanken dauerte es etwas, bis das Potenzial der Robo Advisors erkannt wurde. Vor fünf Jahren wurden die digitalen Berater in den Chefetagen noch als irrelevant abgekanzelt, heute setzen die Bankenbosse das Thema auf die Tagesordnung bei Vorstandssitzungen. Denn die Kostenersparnis bei kleinen Anlagensummen ist groß genug, dass auch die Banken das Interesse an Kleinkunden wiedergewinnen. Doch hier liegt die Krux. Nur weil ein Kanal zum Kunden digital ist, bedeutet das nicht, dass die Dinge, die dahinter stecken, sich auch wirklich verändert haben.

Patrick Müller aus Offenbach ist Privatanleger und beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Aktien. Der 48-Jährige zählt nicht unbedingt zur Zielgruppe der Robo Advisors, weil Müller allein aus Leidenschaft manchmal jahrelang die Entwicklung von Einzeltiteln oder Exchange Traded Funds (ETF) verfolgt. "Ich verlasse mich auf meine Erfahrung, wenn ich einsteige. Außerdem will ich mir den Spaß nicht nehmen lassen", sagt Müller. Doch er sagt auch: "Wenn mein Broker auf seiner Internetseite für einen Robo wirbt, dann würde ich ihn mir zumindest einmal anschauen." Zum einem will Müller sicher sein, dass sein Geld sicher ist. Start-ups suchen deshalb zunehmend die Partnerschaften mit Banken, um ihren Kunden die Einlagensicherung garantieren zu können. Anderseits will ein Experte wie er einen tatsächlichen Mehrwert durch die Kundenberatung erfahren.

Ein Trumpf der Anbieter: Sie halten deutlich mehr Aktien und Fonds im Blick und schnüren aus Tausenden Titeln individuelle Pakete für die Kundenprofile zusammen. Auch Rohstoffe und Anleihen stehen zur Auswahl. ETF bilden das größte Volumen der Portfolios. Je nach Strategie der Anbieter können sie auf Tagesbasis gehandelt oder langfristig gehalten werden. Portfolios werden regelmäßig ausbalanciert. Auch hier entscheidet die Strategie der Anbieter darüber, in welcher Frequenz das geschieht.

Robo Advisors werben für Geldanlage ohne Emotionen, weil der Algorithmus rationale Vorschläge macht. Die mögliche Komponente menschlichen Versagens soll so minimiert werden. Doch die Stiftung Warentest warnt: "Die Vermögensverwaltung durch einen Robo Advisor ist nichts für Neulinge auf dem Finanzmarkt. Trotz umfangreicher Service- und Transparenzmaßnahmen sollten sich Anleger vorab intensiv mit ETF und den dazugehörigen Risiken beschäftigen."