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Ratingagentur Standard & Poor's:Italien gerät zum Schmuddelkind

Je mehr sich also die Europäische Notenbank den amerikanischen finanz- und wirtschaftspolitischen Prämissen annähert, umso freundlicher fällt die Beurteilung aus. Oder, anders gesagt: Solange sich die Europäer nicht den Kriterien der Agentur beugen, wird herabgestuft, und wenn schlechte Noten tatsächlich Länder in den Ruin treiben und die Euro-Gruppe auseinanderbrechen lassen würde, so wären dies wohl nichts als logische Kollateralschäden.

Euroländer gegeneinander ausgespielt

Schon jetzt gelingt es Standard & Poor's, die Euro-Länder mit ihren Bewertungen gegeneinander auszuspielen. Deutschland wird zum unbeliebten Musterschüler, Italien gerät trotz aller Mühen zum Schmuddelkind, Frankreich scheint hinter Deutschland zurückzubleiben. Der Zerfall des Euro in einen Nordeuro und einen Südeuro - das von vielen Politikern gefürchtete Horrorszenario - existiert längst in den Köpfen und den Noten von Standard & Poor's. Die Ratings aus Amerika dividieren die Europäer auseinander. Auffällig ist auch, dass man nur noch von sechzehn Euro-Ländern spricht, das siebzehnte, Griechenland, wird nicht erwähnt. Es scheint als Euro-Land schon abgeschrieben zu sein.

Den EU-Regierungen bleiben zwei Möglichkeiten. Sie können das Spiel der Rating-Agenturen mitspielen und, den Blick starr auf die Note gerichtet, deren Hinweisen folgen. Oder aber sie ziehen Konsequenzen und entmotten das aus dem vergangenen Jahrhundert stammende Bewertungssystem. Das Monopol der drei großen Agenturen gehört abgeschafft. Bonitätsprüfer müssen für ihre Urteile haften und die Skala der zu vergebenden Noten muss reformiert werden. Andernfalls wird das Spiel munter so weitergehen und erst dann beendet sein, wenn alle Länder ihre Kreditwürdigkeit verloren haben. Dann allerdings sind auch die Ratingagenturen pleite.