bedeckt München 17°
vgwortpixel

Ping An:"Versicherer vor schwerer Krise"

Der Weltmarktführer Ping An aus China sieht Probleme für die Europäer - und will selbst offenbar den deutschen Markt kennenlernen.

Die Versicherer in Europa einschließlich Deutschlands stehen vor einer schweren Krise, viele werden aufgeben müssen. Das glaubt jedenfalls der chinesische Weltmarktführer Ping An.

Der Grund: Banken, Start-ups, Onlinehändler und andere Angreifer bauen digitale Systeme für ihre Kunden auf, in denen auch Versicherungsschutz angeboten wird. Damit saugen sie Gewinne von den Versicherern ab, sagte Donald Lacey, Leiter des operativen Geschäfts bei der Ping An-Gesellschaft Global Voyager. "Wir werden sehr wahrscheinlich eine Zeit sinkender Profitabilität sehen", sagte er auf dem SZ-Versicherungstag. Die Krise werde sich jedoch nicht schlagartig ausbreiten wie die Bankenkrise nach der Lehman-Pleite, sondern graduell. "Wirft man einen Frosch in kochendes Wasser, springt er hinaus", sagte Lacey. Wenn man die Temperatur aber langsam erhöht, fühlt sich der Frosch lange wohl - und stirbt dann. "Ich glaube, dass wir in Europa eine Menge kochender Frösche sehen werden", sagte er.

Ping An nähert sich selbst mit großen Schritten dem deutschen Markt. Im November 2018 haben sich die Chinesen mit zunächst bescheidenen 40 Millionen Euro an dem Berliner Firmengründer Finleap beteiligt, der auch den digitalen Versicherungsmakler Clark und den Versicherer Element gegründet hat. Offenbar will Ping An den deutschen Markt kennenlernen.

Der Konzern setzt ganz auf neue Technologien und beschäftigt ein Heer von 23 000 IT-Entwicklern. Über Investitionen in deutsche und europäische Firmen will Ping An seine Entwicklungen verbreiten, sagte Lacey. Ping An, 1988 gegründet, kam 2018 auf 125 Milliarden Euro Umsatz, schätzen Analysten. Der Konzern wird von Anlegern an den Börsen mit rund 145 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Die Allianz ist nach Ansicht der Investoren 78 Milliarden Euro wert.

Die deutschen Versicherer sollten die Gesellschaft nicht unterschätzen, sagte der Amerikaner mit Wohnsitz Hongkong. "Ping An versichert jeden siebten Menschen in China." Mancher glaube, dass die Entwicklung in China nicht wichtig sei, weil die beiden Märkte und die Datenschutzvorgaben zu unterschiedlich seien. "Damit liegen Sie falsch, bitte vergessen Sie diese Vorstellung", sagte er den anwesenden Versicherungsvorständen.

Die Technologien von Ping An seien ohne weiteres auf andere Länder übertragbar. "Wir können manches schon morgen machen, in sechs Monaten können wir alles machen."

© SZ vom 25.01.2019