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Peaks:Sparen für Faule

Von "mild" bis "feurig": Wie das holländische Unternehmen Peaks versucht, spielerisch zum Geldanlegen zu motivieren.

Von Felicitas Wilke

Alles schön rosa, eine einfache Wortwahl und fröhliche Emojis: Der mobile Dienst Peaks gibt sich alle Mühe, bloß nicht als trockene Finanz-App wahrgenommen zu werden. Seit Oktober können Nutzer das Programm hierzulande aufs Smartphone laden - und spielerisch Geld anlegen. Gründer Tom Arends hat in den Niederlanden nach eigenen Angaben bereits 50 000 aktive Nutzer überzeugt und die Rabobank als Haupteigner im Rücken. Jetzt will er auch in Deutschland "jeden ansprechen, der bislang nicht investiert".

Die Idee ist nicht ganz neu. In den USA ist die App Acorns mit einem ähnlichen Konzept stolze 860 Millionen Dollar wert, und auch in Deutschland haben sich schon Anbieter daran versucht, dem Sparen eine spaßige Komponente zu geben. Vor ein paar Jahren bot Savedroid die Möglich, jedes Mal einen Betrag zurücklegen, wenn Donald Trump twitterte oder der Lieblingsfußballverein gewann.

Jetzt versucht Peaks, den Deutschen die Freude am Geldanlegen zu vermitteln. Wenn der Nutzer das möchte, wird jeder mit der Karte bezahlte Einkauf aufgerundet, die kleinen Beträge gesammelt und am Ende der Woche in Indexfonds angelegt. Möglich macht das die neue Bankenrichtlinie PDS2, die Start-ups das Recht einräumt, auf das Konto ihrer Kunden zuzugreifen - sofern diese damit einverstanden sind. Das Geld fließt in eines von vier Wertpapierportfolios. Dabei steht etwa die Variante "mild" für einen hohen Anleihen- und geringen Aktienanteil und für weniger Risiko, während die Option "feurig" zu 90 Prozent auf nachhaltige Aktien-Indexfonds (ETFs) setzt und daher mit einem höheren Wagnis verbunden ist. Er habe Anleger im Blick, die nicht das schnelle Geld suchen, sondern langfristig orientiert sind, sagt Arends.

Um mit der App Geld anlegen zu können, müssen die Nutzer einen Euro pro Monat zahlen. Werden mehr als 2500 Euro investiert, fallen 0,5 Prozent der angelegten Summe an. Hinzu kommen Kosten für die Fonds in Höhe von 0,25 bis 0,33 Prozent der angelegten Summe und Transaktionskosten von rund 0,04 Prozent. Ein Euro - das klingt nicht viel, fällt aber gerade dann ins Gewicht, wenn man nur geringe Summen investiert.

Da die Portfolios bei Peaks - wie von Experten empfohlen - nur aus wenigen ETFs bestehen, könnten sich Nutzer ein solches Depot auch selbst zusammenstellen, und das teilweise sogar zu geringeren Kosten. Doch Gründer Tom Arends will insbesondere die Menschen ansprechen, die sich dazu nicht aufraffen können, "weil sie das Thema als zu technisch und zu kompliziert empfinden".

Auch andere Firmen wollen diese Zielgruppe erreichen. Etwa die in Skandinavien bereits erfolgreiche App Dreams, die bald mit einem ähnlichen Angebot wie Peaks in Deutschland starten möchte. Eine Besonderheit des deutschen Markts könnte dem Konzept jedoch zuwiderlaufen: Hierzulande begleichen viele Menschen ihre Rechnungen in bar, weshalb gar nicht so viele Kartenzahlungen aufgerundet werden können. Peaks hat bereits Abhilfe geschaffen. Anleger können auch ganz unspielerisch einmalig, täglich oder in regelmäßigen Abständen einen Betrag anlegen.

© SZ vom 03.12.2019
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