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Offshore-Windanlagen:Länder drängen auf schnelle Umsetzung der Energiewende

Offshore-Windenergiepark BARD Offshore 1

Der Windenergiepark "Bard Offshore 1" vor Borkum.

(Foto: dpa)

Mit einem dringenden Schreiben haben sich fünf norddeutsche Bundesländer an die Regierung in Berlin gewandt: Die Offshore-Branche müsste schnellstmöglich gerettet werden, heißt es im "Cuxhavener Appell". Zehntausende Arbeitsplätze in der Windenergiebranche stünden auf dem Spiel - und die Energiewende.

Eigentlich sollte alles ganz anders laufen. Die Offshore-Industrie sollte Zehntausende Arbeitsplätze schaffen und für einen Boom in den norddeutschen Küstenstädten sorgen. Doch die vermeintliche Zukunftsbranche Windenergie bringt vor allem eins: Probleme. Investoren sind zögerlich oder ziehen sich sogar ganz aus Windpark-Projekten auf hoher See zurück, weil den Anlagen bisher der Netzanschluss an Land fehlt.

Jetzt haben Vertreter aus fünf norddeutschen Bundesländern einen Appell an die Bundesregierung unterzeichnet, der eine rasche Umsetzung der Energiewende fordert. Investitionen und Arbeitsplätzen in der Offshore-Branche müssten schnellstmöglich gerettet werden, heißt es darin. Der "Cuxhavener Appell" wurde auch von von Unternehmen und der Gewerkschaft IG Metall unterschrieben.

Für die Projekte bis 2020 müsse Sicherheit über die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz geschaffen werden, heißt es in dem Schreiben. "Offshore ist der Eckpfeiler der Energiewende", sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Die Bundesregierung müsse endlich einen Koordinator einsetzen, der für die Energiewende Verantwortung übernehme, so Lies weiter.

Millionenverluste und Zukunftsangst

Passenderweise ist Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gerade im Norden unterwegs, er eröffnet heute den Windpark "Bard Offshore 1". Die Windkraftanlagen vor der Insel Borkum bilden den ersten Offshore-Windpark in der Nordsee, der tatsächlich Strom liefert. Die 80 Anlagen mit 400 Megawatt Leistung können 400 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Die Bundesregierung will, dass bis zum Jahr 2020 Windmühlen mit zusammen insgesamt 10.000 Megawatt Leistung im Meer stehen. Doch die Industrie hat viele Projekte auf Eis gelegt, weil es Probleme mit den Netzanschlüssen gibt. Auch besteht Verunsicherung über die wirtschaftlichen Grundlagen. Gerade wurde der Nordsee-Windpark "Riffgat" fertig gebaut, doch weil die Leitung zum Land nicht vor dem nächsten Frühjahr fertig wird, sind Millionenverluste zu verzeichnen.

Auch die Plattform "Helwin 1" des Siemens-Konzerns ist vor kurzem fertiggestellt worden. Dort wird Strom des Offshore-Windparks vor Helgoland auf der Plattform für den Transport an Land in Gleichstrom umgewandelt. In einer Station an der Küste wird er wieder in Wechselstrom zurückgewandelt. Die Probleme und lange Verzögerungen mit dieser Anlage hatte Siemens viel Geld und die Gewinnprognose 2012 gekostet.

Industrie am "Scheideweg"

Die Offshore-Windenergie und die Energiewende befänden sich am Scheideweg, heißt es im "Cuxhavener Appell". Deutschland verfüge als einziges europäisches Land über die gesamte Wertschöpfungskette beim Bau von Windenergieanlagen im Meer. "Dieser industriepolitische Vorteil muss auch im Hinblick auf die Arbeitsplatzsicherung und Exportmöglichkeiten erhalten und ausgebaut werden", heißt es weiter.

Der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur, Ronny Meyer, sagte, mit etwa 4500 Stunden voller Stromproduktion im Jahr seien Offshore-Windmühlen den Anlagen an Land überlegen, die im Durchschnitt auf 2000 Stunden kämen. Etwas 18.000 Beschäftigte habe die Branche, bis zu 33.000 seien möglich.