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Notoperation RWE:Neue Schlappe für Konzernchef Harry Roels

Ein Vorstandsposten beim Energieriesen RWE scheint wenig attraktiv zu sein. Fast ein Jahr musste beim Essener Konzern ein Nachfolger von Dietmar Kuhnt gesucht werden, ehe vor rund einem Jahr schließlich der Niederländer Harry Roels diese Aufgabe übernahm.

Roels selber ging es jetzt nicht besser. Auch mit dem Einsatz mehrerer Headhunter gelang es ihm nicht, einen neuen Vorstandschef für die wichtige Vertriebstochter RWE Energy zu finden. Siemens-Manager Udo Niehage sagte ab. In die Bresche springen musste schließlich Berthold Bonekamp, der bisherige Chef der Kraftwerkssparte.

Roels hatte sich ohne Not mit einer überzogenen Personalforderung selbst in die Schwierigkeiten gebracht. Zu einer Reihe von Pannen kam damit eine weitere Schlappe. Zunächst hatte Roels dem RWE-Konzern eine neue Struktur verordnet, dabei aber äußerst ungeschickt taktiert und sich mit den starken Kommunen überworfen. Die auf Druck von außen, vor allem aber seines Aufsichtsratschefs Friedel Neuber schließlich erreichte Einigung mit den kommunalen Anteilseignern wurde teuer.

Wie ein wilder Stier

Dann preschte Roels erneut unvorsichtig vor. Als wollte er dem Essener Konzern internationalen Flair verleihen, sollte ein Vertriebsspezialist mit globaler Erfahrung und Reputation an die Spitze der Strom- und Gasvertriebstochter RWE Energy. Dabei galt der Inhaber des Postens, Heinz Werner Ufer, im Konzern als exzellenter Kopf.

Nur der neue Mann war über Monate nicht zu finden. Selbst die Aufwertung des Postens mit einem Vorstandssitz in der Holding half nichts. Schon damit hatte Roels sein Führungsprinzip selbst in Frage gestellt. Die Vorstandsriege wird jedenfalls weiter aufgebläht als ursprünglich geplant.

Bonekamp soll es an der Spitze nun richten. Als Ingenieur und Kaufmann hatte er bei der Kraftwerkssparte gute Arbeit geleistet und mit seinem Team der Braunkohle in der Stromerzeugung zur Wettbewerbsfähigkeit verholfen. Er war von Banken ins Gespräch gebracht worden.

Zweifel am Konzept

Längst waren Zweifel an dem milliardenschweren Expansionsprogramm der vergangenen Jahre aufgekommen, die dem Konzern Schulden von über 25 Milliarden Euro bescherten. Roels ist es in den letzten Monaten zwar gelungen, die Schulden massiv zurückzufahren. Sein Spielraum ist aber weiter stark eingeengt.

Mit der "Versetzung" von Bonekamp wird jetzt zudem ein Loch bei der Kraftwerkssparte gerissen. Diese steckt nämlich mitten in der politischen Diskussion um den kommenden Handel mit Emissionsrechten. Mit der Ausgestaltung der Klimazertifikate steht aber die Wettbewerbsfähigkeit der Braunkohle auf dem Spiel, die bei der Stromerzeugung im RWE Konzern eine wichtige Rolle spielt. Die sachliche und unkomplizierte Art von Bonekamp war auf der politischen Seite sehr geschätzt.

Viele neue Probleme

Fraglich ist, ob der für seine Nachfolge berufene Gert Maichel auf Anhieb diese Lücke füllen kann. So hat Roels zwar ein Problem gelöst, aber eine Reihe neuer geschaffen. Vor allem hat er mit einer ungeschickten Personalpolitik nicht gerade zur Motivation seiner Führungscrew beigetragen.

Und er selbst steht mehr denn je unter Druck. Dazu tragen auch die Gerüchte um ein Handgeld von einer Million Euro bei, mit dem er angeblich für seinen Job geködert wurde. Bestätigt hat er die Zahlungen bisher nicht. Keiner der Beteiligten war bislang aber auch zu einem Dementi bereit. Auch das ist fatal.