Neuer Job für CSU-Politiker Schnappauf wird Industrie-Lobbyist

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf wird nach Informationen der Süddeutschen Zeitung neuer Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Dieser Posten ist seit mehr als einem Jahr unbesetzt. Von einer "Flucht aus Bayern" könne jedoch keine Rede sein.

Schnappauf soll nach Informationen aus Verbandskreisen den seit längerem vakanten Posten in der wichtigsten Spitzenorganisation der deutschen Wirtschaft besetzen. Ein genaues Datum für den Wechsel wurde zunächst nicht genannt, die Personalie soll den Informationen zufolge noch in dieser Woche bekanntgegeben werden.

BDI-Präsident Jürgen Thumann, der seit mehr als einem Jahr auf Nachfolgersuche für die Spitzenposition war, soll auf Schnappauf zugeggangen sein, der als Umweltminister unter Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) in der Öffentlichkeit und auch aus der eigenen Partei immer wieder kritisiert worden war.

"Schnappauf hat sich nicht wegbeworben", sagte ein mit den Vorgängen vertrauter Beteiligter der Süddeutschen Zeitung. Das BDI-Präsidium sei auf Schnappauf aufmerksam geworden, auch weil er mit Unternehmen beim Thema Umweltschutz eine "verlässliche und vernünftige Zusammenarbeit" pflege.

Keine Flucht aus Bayern

Der Wechsel zum BDI sei für Schnappauf keine Flucht aus der bayerischen Landesregierung. Er wäre sicher auch in einer Regierung des designierten bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein verblieben. Beckstein soll im Oktober zum Nachfolger Stoibers gewählt werden.

Thumann hatte seit dem Ausscheiden des langjährigen Hauptgeschäftsführers Ludolf von Wartenberg, der das Pensionsalter erreicht hatte, einen Nachfolger gesucht. Bemühungen um eine rasche Lösung waren aber gescheitert. Thumann hatte zunächst den CDU-Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen favorisiert, den Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag.

Weil dieser aber sein Abgeordnetenmandat zumindest vorübergehend hatte behalten wollen, war er von Thumanns Vorgängern beim BDI, Michael Rogowski und Hans-Olaf Henkel, heftig kritisiert worden. Röttgen hatte dann den Wechsel zum BDI ausgeschlagen.