Nahaufnahme Tapferes Schneiderlein

"Es gibt eine Klientel, die Persönliches und Individuelles tragen will und keine in Billiglohn- ländern zusammengeklebte Kleidung." Peter Krampf.

(Foto: Andrea Katheder)

Die edlen Anzüge von Regent trugen schon Richard Gere und Michael Gorbatschow. Doch der Glanz ist längst verblasst. Nun soll Peter Krampf die Firma wieder flottmachen.

Von Uwe Ritzer

Vor zwei Jahren blitzte der alte Glanz noch einmal kurz auf, bei der Krönung des niederländischen Königs Willem-Alexander. Der Monarch trug einen Frack von Regent, einer ebenso kleinen, wie lange Zeit feinen Herrenschneiderei aus Weißenburg bei Nürnberg. In besten Zeiten genossen Regent-Anzüge denselben ausgezeichneten Ruf wie solche von Brioni oder Zegna. Sie standen für beste Qualität, erlesene Stoffe und perfekte Schnitte für die obersten Zehntausend. Auf Wunsch gerne maßgeschneidert, pro Anzug für 2500 Euro aufwärts. Richard Gere gab den gehörnten Ehemann im Hollywoodfilm "Untreu" in einer Microfaserjacke von Regent, Franz-Josef Strauß, Roman Herzog, die Klitschko-Brüder, Startenor José Carreras, Anthony Hopkins, Michail Gorbatschow - Regent hatte viele prominente Kunden. Früher.

"Ich kenne die Firma seit Kindheitstagen", sagt Peter Krampf, 44. Er ist in Weißenburg aufgewachsen, hat das fränkische Städtchen nach dem Abitur verlassen, studiert und anschließend bei Volkswagen, Mc Kinsey und EnBW Karriere gemacht. Seit zwei Jahren arbeitet der promovierte Wirtschaftswissenschaftler als Unternehmensberater, schreibt Fachbücher und lehrt an der Universität Bayreuth. Und nun begibt er sich auf eine schwierige Mission: Peter Krampf will mit Regent an die glanzvollen Zeiten anknüpfen.

Momentan sind Firma und Marke ziemlich heruntergewirtschaftet. Die Firma gehörte seit 2001 zur italienischen Tombolini-Gruppe. Seit einigen Jahren häuften sich die Hiobsbotschaften. Immer wieder mussten die Beschäftigten monatelang auf Löhne und Gehälter warten, Sozialversicherungsbeiträge wurden nicht pünktlich bezahlt, die Umsätze brachen ein, Stellen wurden gestrichen, und vor allem wurde nicht mehr in die Marke Regent investiert. Reihum nahmen exklusive Herrenausstatter im Einzelhandel sie aus ihrem Sortiment.

Regent-Anzüge galten als altmodisch, Service und Marketing wurden immer schlechter. Voriges Jahr entstand ein Millionenverlust. Im Februar beantragte die AOK ein Insolvenzverfahren. Aus diesem heraus übernimmt nun Peter Krampf die Firma, die mit 48 Mitarbeitern längst zur Manufaktur geschrumpft ist. Das berge eine große Chance in sich, sagt der neue Eigentümer. "Als exklusiver Edelschneider in der Champions-League der Anzughersteller" sieht er Regent in Zukunft. Als Marke für anspruchsvolle und zahlungskräftige Männer in gehobenen Positionen, "die nicht jeden modischen Schnickschnack mitmachen, sondern sich in einem klassischen Anzug, der auch nach zwei Stunden im Flugzeug nicht knittert, sicher und wohl fühlen wollen." Eine Klientel, "die Persönliches, Individuelles tragen will und nicht in Billiglohnländern zusammengeklebte Kleidung", sagt er. Folgerichtig sollen Regent-Anzüge künftig ausschließlich in Weißenburg geschneidert werden.

Zweifellos ein Wagnis, aber in der Modebranche räumt man Krampf Chancen ein, obwohl er ein Branchenfremder ist. "Die Marke ist nach wie vor ein Juwel, die ihren Platz am Markt haben kann", sagt ein Insider. "Aber es wird einige Zeit dauern und ist wirtschaftlich riskant." Peter Krampf traut sich das zu. "In der Vergangenheit wurden viele Managementfehler gemacht, die man relativ schnell korrigieren kann", sagt er. Stünde erst einmal ein "stabiles Geschäftsmodell", dann werde sich Regent auch bald wieder neben Brioni und Zegna behaupten. Deutlich kleiner zwar als die Konkurrenten, aber überlebensfähig.

Dafür muss viel getan werden. Krampf will investieren, den exklusiven Modehandel für Regent zurückgewinnen und einen Online-Vertrieb aufbauen. Und mit den Designern will er über modernere Farben und Schnitte reden, "ohne deswegen jedem Trend nachzulaufen".