Nachhaltige ETF:Vegan, öko, sozial

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Windkraftanlagen

In regenerative Energien wird schon lange investiert. Bei anderen Themen muss sich erst noch zeigen, ob diese nur eine Modeerscheinung sind.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Immer mehr Anleger wollen ihr Geld nachhaltig investieren. Die Anbieter sind daher besonders kreativ und entwickeln dafür ganz spezielle Indizes. Auch mit aktiven Elementen, um teils höhere Gebühren durchzusetzen.

Von Norbert Hofmann

Was haben Rockstar Bryan Adams, der Autorennfahrer Lewis Hamilton und Schauspieler Hannes Jaenicke gemein? Sie alle ernähren sich vegan. Wie immer mehr, vor allem auch jüngere Menschen verzichten sie auf den Verzehr von Tierprodukten. Was aber wäre, wenn eine große Zahl von Veganern auch bei der Geldanlage auf dieses Kriterium achten würde? Die internationale Investmentplattform Beyond Investing hat sich diese Frage gestellt und viele Antworten gefunden. Den Tieren, dem Klima und der Umwelt ginge es besser. Aber Unternehmen, die den Tierschutz nicht beachten, hätten - wenn sich Veganer und Vegetarier im großen Stil auf Dauer durchsetzen - Schwierigkeiten bei der Geldbeschaffung.

Um überzeugten Veganern eine Orientierung zu bieten, hat die Plattform den U.S. Vegan Climate Index entwickelt: ein Börsenbarometer mit klaren Ausschlusskriterien. Bald soll es das dazu passende Anlageprodukt geben. Beyond Advisors, der Analyseableger der Plattform, hat einen Exchange Traded Fund (ETF) auf diesen Index entwickelt und wartet nur noch auf die Zulassung durch die US-Börsenaufsicht SEC. Basis des veganen Aktienbarometers ist der U.S. Large Cap Index des Indexanbieters Solactive. Den haben die Initiatoren anhand ihrer strengen Kriterien geprüft und dann rund 40 Prozent der darin enthaltenen Unternehmen ausgeschlossen. "Ein Anleger, der 1000 Dollar in den U.S. Vegan Climate Index investiert, vermeidet damit pro Jahr die Finanzierung von 13 Tierschlachtungen", wirbt Beyond Advisors für seinen ETF.

Das Volumen nachhaltiger Fonds hat sich in den USA in drei Jahren verdoppelt

Ob der Fonds nur eine Modeerscheinung oder Vorreiter einer neuen Welle ist, muss sich erst noch zeigen. An Potenzial sollte es grundsätzlich nicht fehlen. Das verwaltete Anlagekapital von Fonds, die sich unter dem Kürzeln ESG ("Enviromental, Social, Governance") einer an Umweltschutz, sozialer Gerechtigkeit und verantwortungsvoller Unternehmensführung orientierten Auslese verschrieben haben, hat sich in den USA in den letzten drei Jahren verdoppelt. Umso wichtiger ist es für die Produktanbieter, sich durch neue Themen zu profilieren. Auch in Europa wächst das Interesse. "ESG-Indexfonds sind stark im Kommen, gemessen am Volumen stehen sie für 15 Prozent aller Indexfonds", sagt Ali Masarwah vom Analysehause Morningstar. Der ESG-Anteil bei den Mittelzuflüssen liege aber schon bei 20 Prozent - ein Zeichen dafür, dass der Trend anhält. Bei diesen Zahlen sind neben ETF auch die nicht börsennotierten Indexfonds berücksichtigt.

In Fonds für Veganer können Anleger in Deutschland zwar noch nicht investieren. Dennoch wächst auch hier das Angebot an Spezialitäten. Der UBS Global Gender Equality etwa ist ein ETF, der das Streben nach dem Nachhaltigkeitsziel der Gleichberechtigung vorantreiben will. Investiert wird in einen Index, der die Entwicklung von hundert führenden globalen Unternehmen mit einer gemessen an diesem Kriterium starken Bilanz abbildet. Zur Beurteilung dient das zahlenmäßige Verhältnis der Geschlechter im Management und der Belegschaft ebenso wie die Gleichheit der Bezahlung. Geprüft wird aber auch, ob explizite Regelungen zur Stärkung der Gleichstellung der Geschlechter getroffen sind und sich das Unternehmen mit gezielten Maßnahmen der Stärkung von Frauen verpflichtet. Innerhalb von acht Monaten hat dieser ETF bereits 140 Millionen US-Dollar bei Anlegern eingesammelt. Im gesamten Spektrum der insgesamt 49 mittlerweile in Europa unter dem Obergriff ESG angebotenen ETF gilt dieses Produkt als Spezialität. Andere Exoten wie der an der Börse in Toronto gelistete ETF auf dem Marijuana Life Sciences Index gehören eher nicht in die Kategorie Nachhaltigkeit, auch wenn die darin enthaltenen Unternehmen Cannabis vornehmlich für den medizinischen Gebrauch produzieren.

Ein großer Teil der nachhaltig ausgerichteten ETF orientiert sich an marktbreiten Indizes wie etwa den von MSCI und anderen renommierten Anbietern bereitgestellten Börsenbarometern. Experten sind sich ziemlich sicher, dass in ethische und grüne Fonds investiertes Geld nicht nur das Gewissen beruhigt. "Anlagestrategien, die Umwelt-, soziale und Governance-Aspekte von ihren Portfoliounternehmen einfordern und anregen, leisten auch einen wichtigen qualitativen Beitrag zur Umsetzung der Ziele des Pariser Klimaabkommens", sagt Michael Busack, Geschäftsführer des Hamburger Analysehauses Absolut Research.

Nachhaltige Strategien helfen dabei, Risiken zu vermeiden

Nachteile für die Renditechancen muss das nicht bringen. Eher können Unternehmen, die vorausschauend handeln, sogar Risiken wie etwa den Verstoß gegen Umwelt- oder Gleichbehandlungsgesetze vermeiden. "Nachhaltigkeit ist in gewissem Sinne ein Instrument für das Risikomanagement", sagt Masarwah. Mit kurz- oder auch mittelfristigen Renditevorteilen müsse das nicht zwangsläufig verbunden sein. Denn viele andere Faktoren wie etwa Länder-, Währungs- und Branchenentwicklungen beeinflussen die Rendite.

Absolut Research hat kürzlich die Performance von mehr als 800 nachhaltigen Publikumsfonds für institutionelle Anleger in Europa analysiert und sie mit der von mehr als 8000 nicht explizit nachhaltigen Publikumsfonds verglichen. Dabei wurden in der Zeit von 2012 bis 2017 sowohl Drei- als auch Fünfjahres-Zeiträume untersucht. Signifikante Unterschiede ließen sich dabei pauschal nicht erkennen. "Die Ergebnisse variieren sowohl über Zeiträume als auch Asset-Klassen", sagt Analyst Hendrik Schlimper. Die Studie zeigt aber, dass nachhaltigere Strategien im Durchschnitt eine stabilere Wertentwicklung lieferten und besser in der Lage waren, Risiken zu vermeiden. Die nachhaltigen Trends werden wohl bald neue Zahlen bringen.

So setzen einige ETF-Anbieter zunehmend darauf, durch Smart-Beta-Faktoren bestimmte Kriterien in einem Marktindex stärker zu gewichten und so besser abzuschneiden als der Markt. "Häufiger versucht man jetzt auch, diesen Faktoransatz mit Nachhaltigkeitskriterien zu verbinden", sagt Experte Masarwah. Der Anbieter Franklin Templeton etwa nutzt bei seiner Produktreihe Franklin LibertyQ SRI vor allem Faktoren, die bei der Suche nach profitablen, unterbewerteten Unternehmen helfen. Die Aktienauswahl nach ESG-Richtlinien wird damit gezielt um Kriterien ergänzt, die langfristig eine bessere Chance auf überdurchschnittliche Performance versprechen. Ob diese aktivere Herangehensweise die passive Indexabbildung schlägt, wird sich erst noch zeigen.

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