Nach den Sanktionen Iran kehrt als Wirtschaftsmacht zurück auf die Weltbühne

Irans Präsident Rohani mit Italiens Präsident Sergio Mattarella in Rom

(Foto: REUTERS)

Präsident Rohani will auf seiner Europa-Reise Aufträge im Wert von 17 Milliarden Euro unterzeichnen.

Wenige Tage nach Aufhebung der Sanktionen besucht Irans Präsident Hassan Rohani Europa, maßgeblich um die einst engen Wirtschaftsbeziehungen wiederzubeleben. In Italien, der ersten Station seiner Reise, hoffen Unternehmen auf Aufträge über 15 bis 17 Milliarden Euro. Auch in Paris, wohin Rohani am Mittwoch weiterfliegen will, sollen große Geschäfte angekündigt werden. Iran will dem Vernehmen nach bis zu 127 Flugzeuge bei Airbus ordern, um die überalterte Flotte der staatlichen Iran Air zu erneuern. Dabei geht es um Beträge von sechs, wenn nicht gar mehr als zehn Milliarden Euro, schätzen Branchenkenner. Die Autohersteller Peugeot und Renault planen Joint-Ventures in Iran. Rohani reist mit 120 Unternehmern und Vorsitzenden staatlicher Betriebe. Rohani sagte: "Die Tore Irans stehen offen für italienische Firmen. Kommt und investiert bei uns!" Italien ist nicht nur ein alter und beliebter Handelspartner Irans, Rom war auch während der Isolation des Regimes bemüht, den Dialog mit Teheran nicht abzubrechen. Als Rohani 2013 sein Amt antrat, war Italien das erste westliche Land, das eine Delegation von Ministerrang entsandte. Das zahlt sich nun aus. Rohani sagte weiter, er hoffe auf die Unterzeichnung "wichtiger Verträge" mit den französischen Autobauern Peugeot und Renault sowie Investitionen italienischer und französischer Unternehmen in Iran. Allein in der Öl- und Gasbranche hat Iran einen Investitionsbedarf von 230 bis 260 Milliarden Dollar. Insgesamt beziffern Experten ihn auf bis zu eine Billion Dollar. Laut der Regierung brauchen die iranischen Fluggesellschaften in den nächsten drei bis fünf Jahren 500 neue Flugzeuge. Iran Air soll bei Airbus bereits das neue Langstreckenmodell A350 bestellt haben, aber auch Kurz- und Mittelstreckenjets. Sogar acht Maschinen des Superjumbos A380 wolle das Land kaufen, heißt es, auch wenn Airbus den Auftrag nicht bestätigt. Gut sind die Aussichten vor allem für Unternehmen, die schon früher in Iran aktiv waren und beitragen könnten, die marode Infrastruktur zu modernisieren. So soll die italienische Saipem Ölpipelines für fünf Milliarden Euro bauen. Mit Großaufträgen rechnen auch die italienischen Staatsbahnen und der Stahlkonzern Danieli. Fiat möchte in Iran jährlich 100 000 Autos für den dortigen Markt produzieren. Auch der Energiekonzern Eni, schon seit 1957 in Iran tätig, prüft neue Projekte. Die Regierung in Teheran kann nach dem Ende der Sanktionen auf eingefrorenes Vermögen von 100 Milliarden Dollar zugreifen; zudem plant sie, ihre Ölexporte auszuweiten. Sie strebt ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent pro Jahr an, was aber wegen der Ölpreise schwer zu erreichen sein dürfte. US-Firmen unterliegen anders als europäische Unternehmen weiter strikten Handelsbeschränkungen. Am Montag traf Rohani in Rom Premier Matteo Renzi.

Als politischer und symbolischer Höhepunkt der Reise gilt seine Begegnung mit Papst Franziskus im Vatikan an diesem Dienstag. Am Mittwoch empfängt ihn Frankreichs Präsident François Hollande.

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