Mitarbeiterüberwachung Spitzel-Skandal auch bei Edeka und Plus

Noch mehr indiskrete Protokolle: Auch bei Edeka und Plus wurden offenbar Privatangelegenheiten von Mitarbeitern ausspioniert.

Mitarbeiterüberwachung wie bei Lidl hat es offenbar auch bei anderen Lebensmittel-Ketten gegeben. Sowohl bei Edeka und Plus sei es zum Ausspionieren von Mitarbeitern gekommen, berichtete stern.de unter Berufung auf Protokolle eines Sicherheitsunternehmens, das für die Supermarktkette Edeka und den Discounter Plus gearbeitet haben soll. In diesen Protokollen seien wie bei Lidl detailliert private Angelegenheiten von Mitarbeitern in den Filialen festgehalten worden.

Auch bei Edeka und Plus sind unter anderem aus "privaten Gesprächen" Protokolle über Mitarbeiter angefertigt worden.

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Eine Edeka-Sprecherin bestätigte die Existenz der Protokolle, betonte aber: "Wir machen Ladendiebstahlkontrollen, bespitzeln aber keine Mitarbeiter." Es habe zu keinem Zeitpunkt die Absicht bestanden, die Protokolle zur Ausforschung der Beschäftigen zu verwenden. "Es ist für uns selbstverständlich, dass wir uns im gesetzlichen Rahmen bewegen", betonte die Sprecherin. Das erwarte Edeka natürlich auch von den beschäftigten Sicherheitsdiensten. Von Plus war zu den Vorwürfen zunächst keine eigene Stellungnahme zu erhalten.

"Bei einem privaten Gespräch erfahre ich..."

Wie bei Lidl seien die Spitzel in den Märkten offiziell als Ladendetektive aufgetreten, tatsächlich seien sie aber auch mit dem Ausspähen der Mitarbeiter beschäftigt gewesen, schreibt die Online- Ausgabe. Jeweils eine Woche lang seien die Detektive in den Filialen von Edeka und Plus unterwegs gewesen und hätten seitenlange Protokolle gefertigt. Darin heiße es unter anderem: "Bei einem privaten Gespräch mit Frau C. erfahre ich dass sie viele Neider hat, da sie und ihr Mann sich jetzt ein Haus gekauft hätten, zwei Autos und ein Motorrad fahren, sowie öfter in den USA Urlaub machen. Ihr größter Wunsch wäre es, in die USA auszuwandern ..."

Zudem seien auch bei Plus und Edeka versteckte Mini-Kameras angebracht worden, mit denen die jeweiligen Läden hätten überwacht werden können.

Bei Edeka hieß es, die Vorwürfe bezögen sich auf zwei Märkte eines selbstständigen Unternehmers, der die Protokolle aber nicht in Auftrag gegeben habe. "Es handelte sich um eine Selbstleistung des Dienstleisters", erklärte die Sprecherin. Den betreffenden Subunternehmer zitierte stern.de mit den Worten, die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma sei gestoppt worden.

Nicht explizit beauftragt

Laut dem Magazin bestätigte auch Plus die Existenz der Protokolle. Die "Notizen des externen Mitarbeiters" habe man jedoch "nicht explizit beauftragt und weder ausgewertet noch weiter genutzt", zitierte das Magazin eine Sprecherin. Es sei veranlasst worden, derartige Berichte "nicht mehr zu akzeptieren".

Lidl soll mit Hilfe von Detektiven Beschäftigte in zahlreichen Filialen systematisch überwacht haben, hatte das Magazin Stern Ende März berichtet. Über zahlreiche Überwachungskameras sei registriert worden, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gingen oder wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis habe. Datenschützer prüfen die Vorgänge. Lidl betonte daraufhin, eine solche Überwachung sei nicht gewollt gewesen. Nach Überzeugung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi versuchen zahlreiche Discounter ihre Mitarbeiter zu überwachen oder einzuschätzen.