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Lufthansa:Versicherung für Nieten in Nadelstreifen

Die Lufthansa fordert von zwei Versicherungskonsortien offenbar 250 Millionen Euro. Denn die Fluglinie geht davon aus, sich gegen die Fehler der eigenen Manager wirksam abgesichert zu haben. Die betroffenen Versicherer sperren sich allerdings.

Die Lufthansa fordert von Versicherern Millionenbeträge aus einer Haftpflichtversicherung für Manager. Dies hat ein Lufthansa-Sprecher bestätigt und außerdem gesagt, Fluggesellschaft und Versicherer hätten darüber unterschiedliche Auffassungen.

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Für den Proviant zuständig: LSG Sky Chefs.

(Foto: Foto: dpa)

Über die Höhe der Forderung äußerte er sich mit dem Verweis auf das "schwebende Schlichtungsverfahren" nicht. Der Schaden sei in vollem Umfang abgedeckt, sagte der Sprecher, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Nach Angaben aus Versicherungskreisen beträgt die Versicherungssumme 250 Millionen Euro. Es handle sich damit um den bislang größten Anspruch aus der sogenannten Managerhaftung in der Bundesrepublik.

Drohverlust-Rückstellungen

Konkret geht es um Schadensersatzansprüche im Zusammenhang mit dem Catering-Geschäft der Lufthansa in Skandinavien. Lufthansa musste im Jahr 2001 Drohverlust-Rückstellungen von 180 Millionen Euro bilden, nachdem klar war, dass die bis 2005 laufenden Cateringverträge Verluste von jährlich 45 Millionen Euro verursachen werden.

Ein Gutachten empfahl damals dem Aufsichtsrat der Lufthansa-Cateringtochter LSG, Schadensersatzansprüche gegen die LSG-Führung zu verfolgen.

Lufthansa hat sich wie die meisten Weltkonzerne über eine so genannte Managerhaftung gegen Schäden durch eigene Manager abgesichert. Diese Versicherung gegen fahrlässige Pflichtverletzungen (Directors' and Officers' Liability Insurance; kurz: D&O) gilt nach Unternehmensangaben für alle - auch ehemalige - Vorstände des Konzerns.

Die Cateringtochter LSG hatte 1998 das Catering für Flüge der Fluggesellschaft SAS in Skandinavien übernommen. Damals war der inzwischen ausgeschiedene Helmut Woelki Vorstandschef der LSG.

Nachverhandelt

Nach Angaben einer Lufthansa-Sprecherin sind die Cateringverträge mit SAS inzwischen nachverhandelt worden. Daher hätten 2002 Rückstellungen in Höhe von 47 Millionen Euro aufgelöst werden können.

Nach Angaben aus Versicherungskreisen sind zwei Konsortien an der Lufthansa-Police beteiligt - das eine vom Kölner Gerling-Konzern geführt, das andere vom Bermuda-Versicherer ACE.

Die Versicherer verweigerten unter anderem deshalb die Zahlung, weil Lufthansa im Vertragsverlauf die Versicherungssumme erhöht und kurz darauf den Schaden gemeldet habe. Deshalb bestehe der Verdacht, es sei gegen die "vorvertragliche Anzeigepflicht" verstoßen worden. Dann wäre zumindest die Erhöhung nichtig.

Beide Seiten haben sich dem Vernehmen nach auf eine Schlichtung geeinigt. Geleitet werde das Verfahren von Wolfgang Römer, ehemaliges Mitglied des Bundesgerichtshofs und jetziger Ombudsmann der Versicherungsbranche. Sein Spruch werde für März erwartet. Gerling, ACE und Römer waren zu keiner Stellungnahme bereit.