Leipziger Messe Motor der Region

Roboter für die Weltmeisterschaft: Im Sommer 2016 misst sich die Elite der künstlichen Intelligenz und Informatik in Leipzig beim "RoboCup".

(Foto: Jens Schlueter/Getty)

Die Leipziger Messe setzt auf Tagungen und Events. Sie will vor allem mit Großveranstaltungen wie dem Robocup punkten.

Von Steffen Uhlmann

Draußen brüllen bisweilen Löwen, drinnen klappern Tassen und Teller. Vor allem aber werden dort Reden geschwungen, Feste gefeiert. So ist es geplant für die direkt am Zoo gelegene Leipziger Kongresshalle. Jahrelang dümpelte der historische Bau am Rande des Verfalls. Zum 850. Geburtstag der Leipziger Messe aber zeigt er sich im frischen Glanz: Hier Wände und Decken im Jugendstil, dort in Art déco oder renoviert mit moderner Sachlichkeit. Ein architektonisches Kleinod mit gut einem Dutzend Sälen für Tagungen und Bankette liegt in den Händen der Leipziger Messegesellschaft, die den Bau vermarktet und betreibt. Die für 37 Millionen Euro sanierte Kongresshalle schließe die Lücke zwischen Kleinveranstaltungen in Leipziger Hotels und Großevents auf dem neuen Messegelände, sagt Martin Buhl-Wagner, Chef der Messe Leipzig: "Wir werden damit noch flexibler im hart umkämpften Veranstaltungsgeschäft."

Leipzigs Messegesellschaft will mit noch mehr Tagungen und Events in das Veranstaltungsgeschäft einsteigen. Dabei ist die Stadt schon jetzt einer der beliebtesten Kongressstandorte in Deutschland. Das liegt am Image der Stadt, die sich gern als freche Alternative zu Berlin geriert und mit einem Stadtzentrum punkten kann, das mit seinen prächtigen Messehäusern, Höfen und Passagen zum Flanieren, Konsumieren und Verweilen einlädt. Aber das hat natürlich auch etwas mit der Messe und ihrem Congress Center Leipzig (CCL) zu tun. Geschätzt wird der moderne Hallenkomplex auf dem neuen Messegelände genauso wie die Service-Leistung der Unternehmensgruppe mit ihren fünf Messetöchtern. Das zeigt schon die Auszeichnung als Service-Champion der deutschen Messebranche. Noch mehr aber der volle Terminkalender im Veranstaltungsgeschäft. Mit 86 Kongressen und Tagungen lag das CCL 2015 etwa auf Vorjahresniveau (88). Schon zwischen September und Dezember standen 54 Veranstaltungen mit mehr als 30 000 Besuchern auf dem Kalender. Über 100 Veranstaltungen sind schon für 2016 in dem neuen Haus gebucht.

Trotz Imagegewinns der Stadt, des großen Zuspruchs und hoher Servicequalität haben die Leipziger noch "Luft nach oben", wie Buhl-Wagner betont. Schließlich mache das enorm wachsende Kongressgeschäft aktuell noch nicht mal zehn Prozent an den gesamten Umsatzerlösen der Messegesellschaft aus. Mit den knapp 80 Millionen Euro Gesamtjahreserlös für 2015 (vorläufiges Ergebnis) aber ist der Messechef zufrieden. "Das sind beim Umsatz etwa acht Prozent mehr als vorher kalkuliert", sagt Buhl-Wagner. "Wir übertreffen damit den Vorjahresumsatz um rund drei Millionen Euro." Dabei hatte seine Messe 2013 mit 88 Millionen Euro schon mal ein einsames Rekordergebnis vorgelegt. Damals, so der Messechef, steckten Einmal-Ereignisse wie die Berufs-Weltmeisterschaft "World Skills" im Ergebnis drin. Die könne man nicht so einfach fortschreiben.

Fortschreiben will man das integrierte Veranstaltungskonzept, weil die Messen längst selbst zum Event geworden sind. Maßstab dabei seien die Bedürfnisse der Veranstalter und ihrer Klientel. "Das Messemachen hat sich drastisch verändert", sagt der Messechef. "Nicht die Branche entscheidet vornehmlich das Messeprodukt, sondern die Bedürfnisse der dazugehörigen Community." Das aber erfordert viel Kommunikation mit deren Meinungsmachern und Trendsetzern. "Sie haben die Netzwerke", sagt er und zuckt mit den Achseln. "Sie bestimmen jetzt die Spielregeln, keiner weiß besser, was die Mitglieder der Community wirklich wollen."

So viel äußere Meinungsmacht schafft noch mehr Unruhe im längst nicht mehr beschaulichen Messegeschäft. "Wir müssen unser Portfolio ständig auf den Prüfstand stellen, wenn nötig umkrempeln und damit auch auf neue Themen setzten", erklärt Buhl-Wagner. Das aber können auch alte Themen im neuen Gewand sein. So heißt es in Anspielung auf die im Jahr 2009 an Köln verlorene Computerspielmesse "Games Convention" in Leipzig nun: "Gaming is coming home". Was da Anfang 2016 mit der "DreamHack" heimkommt, ist die weltgrößte Lan-Party. Tausende Computerspieler messen drei Tage lang ihre Kräfte und ermitteln dabei die Champions in diversen E-Sport-Kategorien. Im Sommer 2016 trifft sich dann auch noch zum "RoboCup" die Elite der künstlichen Intelligenz und Informatik in Leipzig, um unter anderen die Weltmeisterschaft in verschiedenen Roboter-Disziplinen auszutragen. "Beide Ereignisse", so der Messechef, "sind Bestandteil unserer Unternehmensstrategie gerade mit Großveranstaltungen das wachstumsträchtige Veranstaltungsgeschäft zu stärken."

Das Gros der Veranstaltungen- und Ausstellungen bleibt für die Leipziger ein aufwendiges kleinteiliges Geschäft, das noch immer Zuschüsse der beiden Messegesellschafter Freistaat Sachsen und Stadt Leipzig verlangt. Zwar konnte die Leipziger Messe in den vergangenen zehn Jahren ihr Defizit deutlich reduzieren, doch auch 2014 - die Höhe für 2015 steht noch nicht fest - mussten die Gesellschafter erneut sieben Millionen Euro zuschießen. Buhl-Wagner will keine Jahreszahl nennen, ab der die Nummer zehn unter den deutschen Messegesellschaften ohne Zuschüsse auskommt. "Das ist ein sehr sportliches Ziel", sagt er lediglich. Und: "Wir arbeiten dran."

Viel lieber spricht der Messechef von den wirtschaftlichen Effekten, die seine Messe in der Region, im Freistaat Sachsen und in Mitteldeutschland sowie in der Bundesrepublik erzeugt. Das Münchner Ifo-Institut hat das für die Leipziger unlängst ausgerechnet. Für Buhl-Wagner das verblüffendste Ergebnis dabei: Seine Messe sichert bundesweit beinahe 6600 Arbeitsplätze, davon 4700 im Freistaat und noch 3800 in Leipzig direkt. Hinzu komme der immense Kaufkrafteffekt von über 650 Millionen Euro, den seine Messegesellschaft Jahr für Jahr erzeuge. "Wir sind auf alle Fälle ein Motor der Region", sagt der Messechef. "Wenn nicht sogar weit darüber hinaus." Steffen Uhlmann