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Kritik an der sozialen Marktwirtschaft:Total unsozial

Einfach ungerecht: Deutschland rechnet mit der sozialen Marktwirtschaft ab. Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich wird immer größer. Zumindest empfinden das viele Bürger laut einer neuen Studie.

Die Deutschen sind unzufrieden mit der sozialen Marktwirtschaft. 73 Prozent der Bevölkerung halten laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die wirtschaftlichen Verhältnisse hierzulande für ungerecht.

Heftige Kritik an der Einkommensverteilung - und vor allem Forderungen nach besseren Bildungschancen.

(Foto: Foto: dpa)

Nur 13 Prozent der Befragten sind - trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs - mit der Verteilung von Einkommen und Vermögen zufrieden. Repräsentativ wurden hierfür im Mai 1800 Bürger nach ihrer Meinung gefragt. Am 20. Juni jährt sich die Währungsreform im Westen Deutschlands zum 60. Mal. Der Tag gilt als Geburtsdatum der sozialen Marktwirtschaft.

Besonders unzufrieden mit dem Steuersystem

Die positiven Stimmen werden immer leiser. Nur noch 31 Prozent der Menschen hätten eine positive Meinung von der sozialen Marktwirtschaft, während sie von 38 Prozent negativ bewertet werde.

Diskutiert wurde die soziale Marktwirtschaft zuletzt auch in einem Bürgerforum, welches von der Bertelsmann-Stiftung, der Heinz-Nixdorf-Stiftung und der Ludwig-Erhard-Stiftung von Januar bis April organisiert wurde. 350 Beteiligte durften in diesem Rahmen über die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft diskutierten - auch diese Ergebnisse flossen in die Umfrage mit ein.

Bessere Bildungschancen

Besonders unzufrieden sind die Deutschen mit dem Steuersystem. Etwa 76 Prozent der Befragten stimmten der Forderung zu, das Steuersystem müsse vereinfacht werden.

"Absolut dominant war aber die Forderung nach besseren Bildungschancen", sagte Projektleiter Robert Vehrenkamp, "die wurden in den Diskussionen des Bürgerforums immer wieder genannt."

Sie würden als Schlüssel zu mehr Chancengleichheit betrachtet. Dies hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Jubiläum der sozialen Marktwirtschaft gefordert. "Wohlstand für alle" bedeute heute "Bildung für alle", betonte Merkel vergangene Woche.

© sueddeutsche.de/dpa/tob/jkr/mel
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