Krise des PC-Marktes Hewlett-Packard kämpft gegen den Bedeutungsverlust

Kunden, die lieber Tablets statt herkömmliche PCs kaufen, starke Konkurrenz aus China, dazu schlechte Umsatzzahlen: Der Computerkonzern Hewlett-Packard hat gewaltige Probleme. Mit einem Umbau im Management will HP-Chefin Meg Whitman jetzt die Wende schaffen.

Es kommt einiges zusammen an Problemen beim US-Computerhersteller Hewlett-Packard. Als erstes sind da die miesen Zahlen, die HP-Chefin Meg Whitman am Mittwochabend verkünden musste. Ein Minus von acht Prozent beim Umsatz für das abgelaufene Quartal. Die Aktie brach beim Börsenstart in New York am Donnerstag um mehr als neun Prozent ein.

Die für die Analysten enttäuschenden Quartalszahlen könnte Whitman noch verkraften, viel schlimmer ist ein strukturelles Problem: HP ist vor allem im Geschäft mit klassischer Hardware - Personalcomputer und Drucker - groß geworden. Und genau dieses Geschäft steckt in der Krise.

So ging der Umsatz von HP in der PC-Sparte um elf Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar zurück. Die Verkäufe im Privatkundengeschäft brachen mit einem Minus von 22 Prozent regelrecht weg. Bei den Druckern gab es einen Umsatzrückgang von vier Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Drucker waren einst ein einträgliches Geschäft für HP, doch seit dem Aufkommen von Foto-Plattformen und Online-Speicherdiensten drucken vor allem Privatpersonen immer weniger.

Es ist eine Krise, die die gesamte Branche erfasst: Experten zufolge schrumpft der klassische PC-Markt in diesem Jahr um sieben Prozent und 2014 um weitere 4,5 Prozent. Der Trend geht stark zu Tablets und Smartphones, bei denen nicht nur HP schlecht aufgestellt ist, sondern auch der Konkurrent Dell, der erst vergangene Woche erneut einen dramatischen Gewinneinbruch vermeldete. Um fast 75 Prozent ging das Ergebnis zurück.

Nutznießer der Probleme von Dell und HP ist der chinesische PC-Riese Lenovo: Der neue Weltmarktführer reagierte schneller auf den Wandel der Branche und fuhr zuletzt auch dank seiner riesigen Kundenbasis auf dem heimischen Markt das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte ein.

Als Reaktion auf die PC-Krise und die starke Konkurrenz aus China will Vorstandschefin Whitman Hewlett-Packard stärker auf Angebote abseits des klassischen Rechnergeschäfts ausrichten.

Der radikale Ansatz von Whitmans Vorgänger Leo Apotheker, das PC-Geschäft ganz aufzugeben, war allerdings bei Investoren auf Ablehnung gestoßen. Der deutsche Manager war nach weniger als einem Jahr an der Firmenspitze rausgeflogen.

Nach dem Vorbild von IBM will sich Whitman nun auf das einträglichere Geschäft mit IT-Lösungen für Unternehmen konzentrieren. Doch auch dort sind die Zahlen nicht ideal: Analysten zeigten sich erschrocken, dass in der Sparte Enterprise Group das Ergebnis um neun Prozent zurückging.

Whitman will deshalb mit einer Umstrukturierung des Managements umsteuern: Ab sofort soll der bislang für das Tagesgeschäft verantwortliche Bill Veghte die Enterprise Group führen. Er ersetzt damit Dave Donatelli, der nun nach Übernahmemöglichkeiten Ausschau halten soll. Donatelli gilt an der Wall Street als Erfolgsmanager mit großem Potenzial. Whitman kündigte an, dass HP sich wieder auf die Suche nach strategischen Akquisitionen mache, die für den Umbau von HP zentral seien.