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Korruptionsskandal:Ermittler bei Granini-Erbin

In Verbindung mit dem Odebrecht-Skandal hat die Staatsanwaltschaft zwei Häuser in Bayern durchsuchen lassen.

Von Frederik Obermaier

Im Zusammenhang mit dem größten Korruptionsskandal Lateinamerikas haben Ermittler zwei Immobilien in Bayern durchsucht. Es handelt sich nach SZ-Informationen um die Münchner Wohnung von Marielle Eckes aus der Gründerfamilie des Saftherstellers Eckes Granini und ein Haus am Starnberger See. Die BildZeitung hatte über die Durchsuchungen zuerst berichtet. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Längerem wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen Eckes und ihrem mexikanischen Ehemann Emilio Lozoya Austin. Lozoya Austin war ein enger Berater des früheren mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto und wurde 2012 Chef des staatlichen Ölkonzerns Pemex. In dieser Funktion soll er mehrere Millionen Dollar Bestechungsgeld von dem brasilianischen Baukonzern Odebrecht angenommen haben. Im Gegenzug soll Lozoya dem Konzern geholfen haben, in Mexiko Fuß zu fassen und Verträge mit dem Ölkonzern Pemex zu bekommen. Das gestanden drei Odebrecht-Führungskräfte der brasilianischen Justiz.

Der Odebrecht-Skandal ist Lateinamerikas Jahrhundertskandal; auf dem ganzen Kontinent soll der Konzern Politiker und Manager bestochen haben. Bis heute sind reihenweise Manager, Minister und sogar Staatschefs zu jahrzehntelangen Haftstrafen verurteilt worden. Etliche Verfahren sind bis heute anhängig.

Im Mai 2019 erließ die mexikanische Justiz wegen der Vorwürfe im Zusammenhang mit Odebrecht einen Haftbefehl gegen Loyoza, doch der Manager verschwand. Seine Spur verlor sich allerdings zunächst nach seiner Einreise in Deutschland. Seine Mutter, die auch per Haftbefehl gesucht wurde, wurde im Sommer 2019 auf der Nordseeinsel Juist festgenommen und nach Mexiko überstellt. Im Februar 2020 wurde schließlich Lozoya selbst in der Nähe der spanischen Stadt Marbella festgenommen und kürzlich nach Mexiko ausgeliefert.

Wo sich seine Frau Marielle Eckes derzeit aufhält, ist nicht bekannt. Bei der Durchsuchung ihrer Münchner Wohnung war sie nach SZ-Informationen jedenfalls nicht zugegen. Ihr Münchner Anwalt war für eine Anfrage am Sonntag nicht zu erreichen und die Staatsanwaltschaft bestätigte lediglich, dass weiterhin wegen Geldwäscheverdachts ermittelt werde.

Wie aus Behördenkreisen zu hören ist, untersuchen die Ermittler, ob Eckes und ihr Mann Bestechungsgelder aus Mexiko womöglich in Deutschland versteckt oder zumindest durch Deutschland geschleust haben. Das Ehepaar hat in der Vergangenheit regelmäßig in Deutschland Urlaub gemacht. Eckes soll hierzulande noch immer viele Freunde haben, auch aus ihrer Zeit auf dem Elite-Internat Schloss Salem. Ihr Mann ist mindestens zeitweise an mehreren deutschen Firmen beteiligt gewesen: der All-Me Hamburg und der Elmo-Wolfsburg, beide mit Sitz in München.

© SZ vom 27.07.2020
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