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Konjunktur:Deutschland - deine Rezessionen

Die westlichen Länder reagierten mit hohen Investitionen in den Aufbau alternativer Energiequellen wie Kohle, Erdgas und vor allem Atomkraft, um sich vom Erdöl unabhängiger zu machen. Der weltweite Verbrauch sank binnen fünf Jahren um 11 Prozent.

Ende des Wiedervereinigungsbooms

Danach ging es mit der Wirtschaft aufwärts. Doch Anfang der 90er Jahre geriet das europäische Ausland wieder in den Abschwung. In Deutschland dagegen kam es zum Wiedervereinigungsboom: Die Menschen in der ehemaligen DDR schafften sich Möbel und Autos an, die Firmen investierten.

"Durch den Wiedervereinigungsboom konnte Deutschland zunächst den globalen Wirtschaftabschwung kompensieren", sagt Abelshauser. Als der Boom aber vorüber war, schlug die Krise der Weltwirtschaft auch auf Deutschland voll durch. In der Euphorie nach der Wiedervereinigung waren in den Firmen Überkapazitäten angehäuft worden. Hinzu kamen Lohnerhöhungen, die deutlich über dem Produktivitätszuwachs lagen. 1993 brach die Konjunktur schließlich ein. Die Arbeitslosigkeit stieg auf die bislang unbekannte Höhe von drei Millionen.

Platzen der Internetblase

Neue Technologien wie das Internet oder der Mobilfunk verbreiteten sich ab Mitte der 90er Jahre weltweit in rasanter Geschwindigkeit. Es kam zu massenhaften Unternehmensgründungen im IT- und Kommunikationsbereich. Viele dieser vermeintlich zukunftsträchtigen Firmen wagten den Schritt an die Börse und wurden in neuen Indizes wie dem Neuen Markt oder dem Nasdaq gelistet. Ende der 90er Jahre erreichte der Hype um Technologie-Aktien auch die breite Bevölkerung, zum Beispiel den Börsengängen von Infineon oder EM.TV.

Dabei entstand eine riesige Blase. Viele der hoch bewerteten Unternehmen konnten die Erwartungen nicht erfüllen, oft war ihr Börsenwert bei weitem nicht durch materielle Gegenwerte gedeckt. Nach ersten Insolvenzen zogen sich ab 2000 Spekulanten aus dem Markt zurück, und unerfahrene Anleger verfielen in Panik. Die Internetblase platzte.

"Im Endeffekt war diese Rezession lediglich eine Korrektur überschießender Gewinnerwartungen an den Börsen", sagt Abelshauser. "Die reale Wirtschaftsentwicklung hielt nicht das, was sie versprach." Der IT-Markt, der im Jahr zuvor noch Fachkräfte aus Indien per Green Card angeworben hatte, musste sich erstmals mit wachsender Arbeitslosigkeit auseinandersetzen.

Aus den historischen Erfahrungen könne man lernen, dass der Versuch, den Konjunkturzyklus mit Hilfe staatlicher Ausgabenprogramme zu glätten, in der Vergangenheit nicht erfolgreich war, meint Abelshauser. Sein Fazit ist skeptisch: "In den Auswirkungen, die nun der Weltwirtschaft drohen, ist das nur mit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren zu vergleichen."

© SZ vom 17.10.2008/ld/hgn
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