Inflationsrate Wo Verbraucher jetzt mehr zahlen müssen

Erst das Öl, dann der Rest. Nicht nur die Tankfüllung und der Urlaubsfieger werden ständig teurer, sondern die Lebenshaltungs-kosten insgesamt ziehen an. Obendrein läßt die Gesundheitsreform die Patienten tiefer in die Tasche greifen. Fragt sich nur, wo der Verbraucher noch sparen kann.

Im Juli haben die Bundesbürger die hohen Benzin- und Ölpreise im Geldbeutel zu spüren bekommen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, kletterten die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,8 Prozent (Juni: 1,7 Prozent).

Was tatsächlich billiger wurde für die Verbraucher waren Lebensmittel, darunter besonders Obst und Gemüse.

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Der Preisanstieg bei Mineralölprodukten habe dabei einen "spürbaren Einfluss auf die Teuerung" gehabt, betonten die Statistiker. Ohne Heizöl und Kraftstoffe hätte die Inflationsrate nur bei 1,5 Prozent gelegen. Deutliche Spuren habe auch die Gesundheitsreform hinterlassen. Dagegen mussten Verbraucher für Nahrungsmittel weniger ausgeben.

Im Vergleich zum Juni verteuerte sich das Leben in Deutschland um 0,3 Prozent. Dazu trug auch die Gesundheitsreform bei: Aufgrund der neuen Heilmittel-Richtlinien zum 1. Juli seien die Preise innerhalb eines Monats um 0,9 Prozent gestiegen.

Betroffen von den höheren Zuzahlungen für Behandlungen wie Physiotherapie sind gesetzlich Versicherte. Im Vergleich zum Juli 2003 stiegen die Gesundheitsausgaben sogar um 20,4 Prozent.

Auch Urlauber wurden wie immer in der Saison stärker zur Kasse gebeten: Pauschalreisen verteuerten sich demnach von Juni auf Juli deutlich um 8,3 Prozent, Hotels und Pensionen verlangten im Schnitt 9,6 Prozent mehr.

Dagegen mussten die Verbraucher für Nahrungsmittel weniger tief in die Tasche greifen. Die Preise für Milch, Butter, Brot und Co. hätten im Juli 0,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen, teilte die Behörde mit.

Besonders verbraucherfreundlich hätten sich dabei die Preise für Obst und Gemüse mit einem Abschlag von 1,2 und 1,5 Prozent entwickelt. Aber auch Fleisch und Wurst (minus 0,4 Prozent) sowie Molkereiprodukte (minus 0,5 Prozent) verbilligten sich demnach leicht.

Mit 5,5 Prozent hätten Kaffeeliebhaber sogar deutlich weniger ausgeben müssen. Im Vergleich zum Juni seien Kartoffeln, Gurken, Paprika, Tomaten und andere Gemüse saisonbedingt 7,3 Prozent günstiger geworden.

Wohlstand in Deutschland wächst vergleichsweise langsamer

Die Wohlstandsentwicklung in Deutschland hat sich einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge im internationalen Vergleich deutlich verlangsamt.

Das zeige sich in vergleichsweise geringeren Zuwachsraten bei Wirtschaft und Löhnen, heißt es in der Studie, die der Wissenschaftsverlag Springer vorstellte.

Danach sind ältere Arbeitnehmer und Menschen mit geringer Qualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Vergleich besonders stark benachteiligt. Als Ursache der deutschen Probleme wird eine "Klemme aus anhaltenden Strukturdefiziten und schwacher Konjunktur" genannt.

Bei der Studie "Benchmarking Deutschland: Arbeitsmarkt und Beschäftigung" wurde Deutschland anhand von 160 Kriterien mit 14 europäischen Ländern sowie den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Japan verglichen.

Die Autoren stellen darin fest, dass Deutschland beim jährlichen Wirtschaftswachstum der Jahre 2000 bis 2003 im Schnitt auf 1,1 Prozent kommt und damit den vorletzten Platz vor der Schweiz belegt. Frankreich erzielt hingegen ein jährliches Plus von fast zwei Prozent, die USA, Großbritannien, Finnland, Spanien und Australien verzeichnen knapp drei Prozent.

Der langwierige und schmerzhafte Anpassungsprozess zeige sich für Deutschland vor allem in der Reallohnentwicklung: Während die deutschen Bruttoreallöhne zwischen 1999 und 2003 im Schnitt nur um 0,2 Prozent im Jahr wuchsen, legten sie in Dänemark, den USA und den Niederlanden trotz der unsicheren Weltwirtschaft um 1,25 Prozent zu. In Großbritannien und Schweden habe es einen Anstieg von 2,25 beziehungsweise fast drei Prozent gegeben.