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Impressionen aus Rüsselsheim:"Ohne Opel gehen hier die Lichter aus"

Er ist ja schon Opel gefahren, da arbeitete er noch gar nicht dort, die Autos gefielen ihm einfach, ihr Gesicht, die Form. Und jetzt, wo er sie selbst zusammenbaute, war er stolz darauf.

In der Halle gab es damals schon Roboter, die bei der Arbeit halfen. Und in der Halle, die danach gebaut wurde, halfen sie noch ein wenig mehr. Und in der Halle, in der Gernot Hauf jetzt arbeitet, können die Roboter fast alles allein, nur einander reparieren, das noch nicht, und darum fährt er in einem kleinen Elektro wagen nun Ersatzteile für Roboter aus.

Dieser Teil des Werkes ging erst vor zwei Jahren in Betrieb. Er hat 750 Millionen Euro gekostet und ist fast vollkommen automatisiert. Aber er ist fast nur zur Hälfte ausgelastet.

Gernot Hauf sagt, er verstehe das nicht. Er hat das Gefühl, sie hätten nie bessere Autos gebaut. In den Fachzeitschriften werden sie gelobt. Trotzdem verkaufen sie schlecht. Aber muss man deshalb so ein modernes Werk schließen?

"Manchmal denke ich", sagt er, "die Manager treffen sich alle in einer Kneipe und überlegen. Was machen wir heute mal dicht?" So als sei das deren richtige Arbeit, dieses Dichtmachen.

Am Dienstag steht in der Zeitung, die Lohnkosten des Werkes in Rüsselsheim seien fast doppelt so hoch, wie die des Saab-Werkes im schwedischen Troll hättan. Es gebe Gerüchte, General Motors wolle den neuen Vectra dort bauen lassen. Die Gewerkschaft hat Plakate aufstellen lassen. "Ja zu Opel in Rüsselsheim und Saab in Trollhättan" steht darauf .

Wolfram Heitzenröder möchte das Hauptportal des Werkes zeigen, aber sein Arm ist zu kurz und das Modell zu groß, er reicht nur bis zum Bahnhof "Opelwerk". Darum kniet er sich jetzt vorsichtig auf die Holzplatte und rutscht langsam an den kleinen Hallen vorbei nach vorn.

"Hier hat das angefangen", sagt er.

Wolfram Heitzenröder leitet das Stadtarchiv, vor 25 Jahren kam er hierher, es war seine erste Bewerbung nach dem Studium, dann ist er hier hängengeblieben.

Er steht vor dem hölzernen Modell des Werkes. Dort, wo sich heute das Hauptportal befindet, in der Mitte der Stadt, die damals ein Dorf war, errichtete Adam Opel 1868 seine erste Fabrik.

Er stellte zuerst Nähmaschinen und Fahr räder her, seine Söhne bauten dann Autos . Später hat sich General Motors eingekauft und den Namen des Firmengründers behalten.

Im Stadtmuseum, das neben dem Archiv liegt, gibt es eine Ausstellung, darin hängt eine Postkarte von 1911. Sie zeigt das Hauptportal, vor dem Hunderte Männer stehen. "Gruß aus Rüsselsheim", heißt es auf der Karte. "Opel macht Mittag."

"Das Werk hat immer den Takt vorgegeben", sagt Wolfram Heitzenröder, "und Rüsselsheim musste nachziehen."