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Impact Investing:Für den guten Zweck

Das Impact Investing wird bei Investoren beliebter. Firmen müssen dafür nachweisen, dass sie positive ökologische oder soziale Effekte auslösen.

Von Marcel Grzanna

Die Welt war sich selten so einig wie an diesem September-Wochenende im Jahr 2015. Damals verabschiedeten alle 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einstimmig 17 gemeinsame Nachhaltigkeitskriterien, fein säuberlich aufgeschlüsselt in 169 Unterpunkte. Drei Jahre hatte ihre Ausarbeitung zuvor gedauert. Es war ein guter Tag für das Staatenbündnis. Von einer neuen Ära sprach die Uno angesichts der globalen Einigkeit. Papier ist allerdings geduldig, und die Welt auch fünf Jahre nach dem Treffen in New York noch weit davon entfernt, Nachhaltigkeit als zentrales Handlungsmotiv aller wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Prozesse zu adaptieren. Doch zweifellos sind das Bewusstsein für die Relevanz nachhaltiger Entwicklung und die Zahl der Ideen, wie man sie erreichen könnte, enorm gestiegen. Es machen nur noch nicht alle mit.

Dem Finanzsektor wird eine entscheidende Rolle bei der Beschleunigung des Integrationsprozesses zugewiesen: Er sammelt das Kapital und verteilt es wieder. Wenn es dem Finanzsektor gelingt und die Branche willens ist, vornehmlich dort zu fördern, wo der soziale und ökologische Mehrwert für eine Gesellschaft spürbar wird, wäre wohl schon viel erreicht. Die Europäische Union will deshalb nachhaltiges Investment fördern, indem sie entsprechende Produkte für den Verbraucher sichtbar und simpel klassifiziert. Doch auch hier ist noch Geduld gefragt. Es zeigt sich, dass die Umsetzung nachhaltiger Politik viel schwieriger ist, als sich darauf zu einigen. Die größte Herausforderung ist es, wirtschaftliche Interessen an der Nachhaltigkeit auszurichten. Doch es gibt zunehmend viele Akteure, die genau das versuchen und auch erfolgreich damit sind. "Grün zu sein, bedeutet nicht, dass man nicht wachsen kann", sagt Markus Maus. Er ist Gründer von Company Bike. Das Unternehmen bietet Firmen Fahrradflotten an, damit diese ihre Belegschaft für den Weg zur Arbeit zum Wechsel vom Auto auf das Fahrrad motivieren können. "Ausgangspunkt unserer Überlegung war es, drei Aspekte zu vereinen: Mobilität, Gesundheit und Mitarbeiterbindung. Mit unserem Dienstrad-Leasing-Konzept sind wir in den vergangenen fünf Jahren deutlich stärker gewachsen als der Fahrradmarkt", sagt Maus.

Dienstfahrrad Zalando.

Lieber mit dem Firmenrad zur Arbeit als mit dem Dienstwagen. Das propagiert das Unternehmen Company Bike.

(Foto: Company Bike)

Company Bike vermittelt Mitarbeitern über deren Firmenleitung ein Wunschfahrrad, das diese statt zu kaufen gegen eine Leasinggebühr für drei Jahre nutzen - für die Fahrt zur Arbeit oder auch privat. Zehn Standorte hat das Unternehmen in Deutschland und betreut von dort aus 3500 Kundenstandorte. "Wir liefern die Räder, wir warten sie und wir wickeln das Leasinggeschäft ab, wenn ein Mitarbeiter aus dem Unternehmen austritt", so Maus. Dabei ist es dem Arbeitgeber des Radlers überlassen, ob er die Kosten für das Angebot komplett oder nur einen Teil der Leasingrate übernimmt oder einen Zuschuss gibt.

"Wir waren überrascht und erfreut von der Nachfrage unserer Belegschaft. Als Unternehmen gibt es uns das Gefühl, mit einem Zuschuss für das Leasinggeschäft bereits viel bewirken zu können und die Nachhaltigkeit weiter zu fördern", sagt Britta Schumacher vom Familienunternehmen Pfeifer & Langen, einem Zucker-Hersteller aus Köln.

Mitarbeiter, die sich viel bewegen, sind leistungsstärker und zufriedener und werden weniger krank, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. Bei dem Familienunternehmen, das mehr als 2400 Mitarbeiter beschäftigt und 800 Millionen Euro Umsatz macht, haben bereits etwa 15 Prozent der Mitarbeiter Fahrräder bei Company Bike bestellt. Weitere Mitarbeiter stehen auf einer Warteliste.

Markus Maus

Markus Maus, Gründer von Company Bike.

(Foto: Anja Ostermann/Company Bike)

Geschäftsmodelle wie das von Company Bike sind grundsätzlich interessant für Investoren, die Wagniskapital einsammeln, um es für ihre Kunden für einen festgelegten Zeitraum in Firmen zu investieren, die neben einer finanziellen Rendite auch einen sozialen Mehrwert versprechen. Nicht alle Fondsanbieter legen jedoch strenge Maßstäbe für ihre Investitionen an. Geldgeber für Sozialunternehmen sind beispielsweise Global Partnerships (Social Venture Fund). Auch Tengelmann Social Ventures des gleichnamigen Handelskonzerns, Ananda Impact Ventures oder die Münchner Investmentfondsgesellschaft Bonventure bieten Finanzierungen an. Oftmals müssen die Unternehmen konkrete soziale Ziele nachweisen können, um eine Finanzierung zu bekommen. 2014 stellte Markus Maus sein Konzept bei Bonventure vor und begann erst dann, sich intensiv mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, wie er sagt. Um von Bonventure finanziert zu werden, bedarf es entsprechender Parameter, um einen ökologischen oder sozialen Effekt nachweisen zu können. Es genügte dem Investor nicht, dass Company Bike anderen Unternehmen dabei half, deren Mitarbeitern ein Extra zur Verfügung zu stellen. "Wir mussten klar ermitteln, welchen geringeren CO₂-Ausstoß wir mit unserem Modell erreichen können. Das war die zentrale Forderung an uns." Nach einem Jahr Beratungen und Verhandlungen war die Partnerschaft perfekt und der Bonventure-Fonds III, der bis 2023 läuft, beteiligte sich an Company Bike.

Weniger Krankheitstage, weniger Schadstoffe, motiviertere Mitarbeiter: fertig scheint das perfekte Nachhaltigkeitsmodell zu sein. Doch die Realität sieht anders aus. Denn auch Firmen wie Company Bike sind nicht in der Lage, eine komplett nachhaltige Wertschöpfung zu garantieren. Das wäre erst dann der Fall, wenn auch die Produktion der Fahrräder nachweislich den Kriterienkatalog der UN erfüllen würde - eine Mammutaufgabe.

"In einer derart globalisierten Wertschöpfungskette wie in der Fahrradindustrie ist es aus meiner Sicht derzeit für die Abnehmer der Produkte unmöglich, alle Komponenten und die Hintergründe ihrer Entstehung auf Nachhaltigkeit zu prüfen", sagt Maus. Die Kosten würden explodieren und das gesamte Geschäftsmodell ineffizient machen. Investoren würde das abschrecken. Wohl auch jene, die Renditen nicht um jeden Preis maximieren wollen.

© SZ vom 19.09.2020
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