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Impact Investing:Ergebnis offen

Solarpark

Ist ein Solarpark ein Mehrwert für die Gesellschaft? Nicht jedes Unternehmen wirtschaftet nachhaltig.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Konkrete soziale Projekte zu fördern, wird immer beliebter. Messbar ist die Wirkung aber kaum. Auch an Untersuchungen mangelt es.

Von Marcel Grzanna

Wer sein Geld gewinnbringend investieren und damit gleichzeitig Gutes für die Gesellschaft tun will, wird schnell fündig. Vermögende Großanleger oder Stiftungen wenden sich dafür häufig an sogenannte Impact-Investoren. Das sind beispielsweise Beteiligungsgesellschaften, die treuhänderisch das Wagniskapital ihrer Kunden in vielversprechende Geschäftsmodelle stecken. Ob dabei jedoch tatsächlich eine soziale, ökologische oder wirtschaftliche Nachhaltigkeit geschaffen wird, wie es das Marketing verspricht, ist keineswegs gewährleistet.

Mit Impact Investing sind konkrete ökologische, soziale oder ethische Projekte gemeint, die neben einer Rendite in der Regel auch eine nachweisbare Wirkung versprechen. In einer Studie mit dem Titel "Donating effectively is usually better than Impact Investing" der englischen Crowdfunding-Plattform Let's Fund kommen die Autoren jedoch zu einem deprimierenden Fazit: "Unsere Untersuchung legt nahe, dass viele Impact-Investoren keine gründlichen oder analytischen Bewertungen durchführen."

Oft gelten für vermeintlich nachhaltige Angebote lediglich einige Ausschlusskriterien wie Korruption, Umweltzerstörung oder Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen. "In der Branche ist es schick geworden, dem eigenen Produkt das Label der Nachhaltigkeit anzuheften. Einem nicht unerheblichen Teil geht es aber wohl darum, den eigenen Fonds im Angesicht des neuen Zeitgeists attraktiv zu gestalten, indem er lediglich Problemindustrien als Investitionsziele ausklammert", sagt Henry Schäfer, ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft an der Uni Stuttgart.

Der Umkehrschluss ist nicht automatisch ein Mehrwert für die Gesellschaft. Beispiel Solarindustrie: Wird dort investiert, glauben viele Geldgeber, dass der CO₂-Ausstoß zwingend verringert würde. Doch was passiert, wenn ein Unternehmen mit seiner Strategie Mitbewerber aus dem Markt drängt oder schlicht falsch wirtschaftet? Dann könnte der Anteil der Solarenergie sogar sinken.

Das Marktvolumen wuchs trotz dieser Unsicherheit stark in den vergangenen Jahren. Ende 2019 galten in Deutschland rund 270 Milliarden Euro als nachhaltig angelegt - 23 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch was gilt als nachhaltiges Investment? Und was bewirkt es? Die Auswirkungen und Effekte sind bislang noch wenig erforscht.

Um Klarheit zu schaffen, ob soziale Investitionen einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, legt die Wagniskapitalgesellschaft Bonventure jetzt nach eigener Aussage die "erste Bestandsaufnahme über den Erfolg von Impact Investing in Europa" vor. Nach Abschluss ihres Bonventure-I-Fonds (BV I), der zwischen 2003 und 2004 gezeichnet werden konnte, stimme nicht nur die finanzielle Bruttorendite von neun Prozent, auch die Indikatoren für Nachhaltigkeit seien im Durchschnitt nicht nur erreicht, sondern um sieben Prozent übertroffen worden, heißt es.

Gibt es tatsächlich einen positiven Effekt oder ist alles nur Marketing?

Um soziale Veränderungen erfassen zu können, bedienen sich die Autoren der Theorie des Wandels (Theory of Change), einer Methodik zur Planung und Bewertung von Maßnahmen. "Für die Unternehmen, in die wir das Kapital unserer Kunden investieren, entwickeln wir zunächst eine Analyse mit den Auswirkungen und definieren dann entsprechende Ergebnisindikatoren, die laufend als Istwerte berichtet werden", sagt Bonventure-Geschäftsführer Erwin Stahl. Zum Fonds BV I zählten acht Unternehmen. Darunter das Dialogmuseum, das eine Sensibilisierung und bessere Integration von Sehbehinderten erreichen will. Stichprobenartig wurden Hunderte Besucher zu ihren Erfahrungen in den Ausstellungen befragt. "Ein verändertes Bewusstsein lässt sich nicht in Zahlen darstellen, deswegen mussten wir Indikatoren heranziehen, die auf eine Nachhaltigkeit schließen lassen", sagt Bonventure-Geschäftsführer Erwin Stahl. So habe man mit 250 000 Besuchern der Ausstellungen über einen mehrjährigen Zeitraum kalkuliert. Tatsächlich wurden es in mehr als zehn Jahren rund 800 000. Zudem konnten jährlich sehbehinderte und anderweitig gehandicapte Menschen mit Unterstützung des Dialogmuseums planmäßig in den regulären Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Für das Kinderzentrum Kunterbunt dagegen war die Zahl der betreuten Kinder maßgeblich. Sie sollte Rückschlüsse zulassen, wie viele Elternteile wieder mehr Zeit zum Arbeiten bekamen, um den Familienunterhalt zu sichern. Mit 98 Prozent blieb das Unternehmen nur knapp unter der Zielvorgabe. Andere scheiterten. So wie die E-Mail Charity, der es nicht gelang, über Signaturen in privaten E-Mails zu Spenden für Nichtregierungsorganisationen zu motivieren, und die schließlich abgeschrieben werden musste. Die finanzielle Bruttorendite von BV I belief sich dennoch auf neun Prozent, sagt die Studie.

Das sind gute Zahlen, aber Finanzwissenschaftler Schäfer hält das Papier dennoch eher für ein Marketingwerkzeug als für einen wissenschaftlich tauglichen Beleg für den Effekt von nachhaltiger Investition. "Anbieter wie Bonventure wollen sich natürlich abheben von all den anderen Mitbewerbern, die nur vermeintliche Nachhaltigkeit schaffen, statt an einem ernsthaften Wandel interessiert zu sein. Die Studie bleibt aber unvollständig bei der Darstellung von Methodik und Erfassung der Daten", sagt Schäfer, der mit seinem Beratungsunternehmen Eccoworks unter anderem nachhaltige Anlagestrategien entwickelt und begleitet.

© SZ vom 06.08.2020
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