Ifo-Geschäftsklima:Lieferengpässe belasten Firmen

Ifo-Geschäftsklima: Tausende Container stecken weltweit als Folge der Pandemie in den Häfen fest, was in der Industrie zu unsicheren Lieferketten und Engpässen führt. Im Bild der Hafen von Felixstowe in Südengland, wo es auch wegen des Mangels an Lkw-Fahrern einen Rückstau gibt.

Tausende Container stecken weltweit als Folge der Pandemie in den Häfen fest, was in der Industrie zu unsicheren Lieferketten und Engpässen führt. Im Bild der Hafen von Felixstowe in Südengland, wo es auch wegen des Mangels an Lkw-Fahrern einen Rückstau gibt.

(Foto: Joe Giddens/AP)

Ifo-Index fällt zum vierten Mal in Folge: "Aus der Corona-Krise ist eine Knappheitskrise geworden".

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober angesichts anhaltender Probleme im globalen Handel erneut verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer, fiel gegenüber dem Vormonat um 1,2 Punkte auf 97,7 Zähler, wie das Ifo-Institut in München mitteilte. Es ist der vierte Rückgang in Folge. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem etwas moderateren Rückgang auf 98,0 Punkte gerechnet.

"Lieferprobleme machen den Firmen zu schaffen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie sinke. "Sand im Getriebe der deutschen Wirtschaft hemmt die Erholung." Die befragten Unternehmen bewerteten vor allem die Aussichten ungünstiger. Erneut haben die anhaltenden Probleme im internationalen Warenhandel, die überwiegend auf die Corona-Pandemie zurückgehen, die Stimmung belastet.

Im Verarbeitenden Gewerbe sind die Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftsentwicklung dem Institut zufolge etwas weniger zufrieden. Zudem trübten sich die Erwartungen weiter ein. Die Kapazitätsauslastung habe in Folge der Lieferengpässe um 2,1 Prozentpunkte auf 84,7 Prozent nachgegeben. Im Dienstleistungssektor habe sich das Geschäftsklima nach der Erholung im Vormonat wieder verschlechtert. Die Unternehmen blickten deutlich weniger optimistisch auf die kommenden Monate. Ihre aktuelle Lage bewerteten sie jedoch etwas besser, so die Ifo-Forscher.

Im Handel sei der Index deutlich gesunken, hieß es. Händler seien merklich weniger zufrieden mit ihren laufenden Geschäften. "Zudem nimmt der Pessimismus mit Blick auf die kommenden Monate weiter zu. Auch hier belasten Lieferengpässe die Stimmung", so das Ifo-Institut. Im Bauhauptgewerbe habe sich das Geschäftsklima dagegen erneut verbessert. Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Lage etwas besser. Zudem habe der Erwartungsindex zum sechsten Mal in Folge zugelegt.

Die allgemeine Verschlechterung deckt sich mit Aussagen anderer Umfrageindikatoren wie den Markit-Einkaufsmanagerindizes. Die Eintrübung betraf alle untersuchten Bereiche mit Ausnahme der Baubranche. Unter den Dienstleistern wurden allein die laufenden Geschäfte etwas besser bewertet. Dies dürfte eine Folge geringerer Corona-Beschränkungen sein. "Aus der Corona-Krise ist eine Knappheitskrise geworden", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Die Materialknappheiten lasteten schwer auf der Industrie. Höhere Preise an den Energiemärkten würden zudem zum konjunkturellen Risiko.

Derzeit bewerten Ökonomen vor allem die Aussichten für das Schlussquartal ungünstig. Nach einem vermutlich fortgesetzten Wachstum im Sommer sei das Risiko einer Stagnation im Herbst hoch, warnte ING-Chefökonom Carsten Brzeski.

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