ICE-Strecke Mit 300 km/h von München nach Nürnberg

Mit einer Sonderfahrt zwischen den bayerischen Städten ist die Neu- und Ausbaustrecke eröffnet worden. Der Weiterbau bis Berlin bleibt zunächst eine Vision.

Der Neu- und Umbau der Trasse kostete 3,6 Milliarden Euro. Die Reisezeit auf den 171 Kilometern zwischen den beiden bayerischen Metropolen verkürzt sich von bislang rund einer Stunde und 45 Minuten auf zunächst 78 Minuten. Mit Ende der Ausbauarbeiten zwischen Ingolstadt und München wird sich die Fahrtzeit dann um weitere 15 Minuten verkürzen.

Offiziell in Betrieb genommen wird die Strecke am 28. Mai und damit wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft. "Heute ist ein großer Tag für die Deutsche Bahn, für Bayern, Deutschland und Europa", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn. Er geht davon aus, dass durch die deutlich verkürzte Fahrzeit in den nächsten drei Jahren auf dieser Strecke etwa 30 bis 40 Prozent mehr Passagiere die Bahn nutzen werden. "Dadurch werden sich die Investitionen, die sicherlich sehr hoch waren, amortisieren und rechtfertigen", sagte Mehdorn.

Unter den rund 400 geladenen Gästen der Premierenfahrt waren unter anderem Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber, Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Kernstück der Schnelltrasse ist der neu gebaute, 89 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Nürnberg und Ingolstadt. Hier kann der ICE auf bis 330 Stundenkilometer beschleunigen. Die normale Reisegeschwindigkeit wird jedoch maximal 300 Stundenkilometer betragen. Außer zwischen Ingolstadt und Nürnberg kann der ICE in Deutschland nur noch zwischen Frankfurt und Köln diese hohe Geschwindigkeit ausfahren. "Das ist moderne Bahn, wie wir sie uns in der Zukunft wünschen", sagte Mehdorn.

"In dreieinhalb Stunden von München nach Berlin"

Bundesverkehrsminister Tiefensee bekräftigte den Wunsch, auch die Verlängerung der ICE-Strecke über Erfurt bis Leipzig zügiger als bisher voranzutreiben. Für diesen Streckenabschnitt sind seinen Angaben nach ebenfalls Investitionen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro vorgesehen. "Bis zum Jahr 2016/2017 wollen wir in dreieinhalb Stunden von München nach Berlin fahren können", betonte Tiefensee.

Deutschland sei ein Transitland. "Wir brauchen diese Transversale von Nord nach Süd und von Ost nach West", sagte der Bundesverkehrsminister. Bayerns Ministerpräsident Stoiber erklärte, die schnellere Verkehrsverbindung stärke den Großraum Nürnberg wirtschaftlich.

Gleichzeitig verteidigte er die Entscheidung, die ICE-Strecke über Ingolstadt zu bauen und nicht die bereits bestehende Gleisanlage über Augsburg zu nutzen. Diese billigere, jedoch fast 30 Kilometer längere Variante war von Naturschützern favorisiert worden. "Es war eine sehr, sehr schwierige Entscheidung. Letztlich hat jedoch das verbesserte Zeitbudget für diese Strecke gesprochen", sagte Stoiber.

In das bundesweite Fernverkehrsnetz der Bahn soll die neue Verbindung am 10. Dezember aufgenommen werden. Dann werden die ICE-Züge zwischen Nürnberg und München im Halbstunden-Takt verkehren.