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Hohe Rohstoffkosten:Für Biertrinker wird's ein teurer Sommer

Der Biospritboom treibt den Bierpreis in die Höhe: Warum der Kasten im Schnitt einen Euro mehr kostet und weshalb das Bier im Süden teurer ist - aber besser.

Biertrinker müssen tiefer in die Tasche greifen. In diesem Frühjahr erhöhte sich der Preis für einen Kasten im Schnitt um etwa einen Euro, wie Roland Demleitner vom Verband der Privat-Brauereien am Mittwoch sagte.

Wer sich in einen Biergarten in Süddeutschland setzt, zahlt mehr als ein Bierkäufer im Norden.

(Foto: Foto: ddp)

Rohstoffkosten treiben den Bierpreis

"Der Deutsche Brauer-Bund sprach von Erhöhungen zwischen 50 Cent und einem Euro. Es sei auf dem vielfältigen Markt mit 5000 Bieren aber schwer, pauschale Angaben zu machen, sagte Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. "Einige Brauereien haben erhöht, einige überlegen noch."

Die Rohstoffpreise sind enorm gestiegen", begründete Demleitner die Erhöhung. Die Preise für Braugerste und Malz seien im vergangenen Jahr um 100 Prozent nach oben gegangen.

Dies habe mehrere Gründe: Die Nachfrage steige weltweit. Die Bauern entschieden sich zunehmend, statt Braugerste Pflanzen für die Herstellung von Biokraftstoffen anzubauen.

Außerdem sei die Ernte wegen schlechter Witterung in Deutschland, aber beispielsweise auch Australien schlecht ausgefallen, berichtete Demleitner. Ein weiterer Grund für die höheren Bierpreise seien die steigenden Energiekosten. Auch das Glas für die Flaschen sei teurer geworden, sagte Huhnholz.

Bier ist im Süden teurer - aber besser

Ob Durstige mehr für ihr Bier bezahlen, hängt auch davon ab, wo sie das Pils oder Hefeweizen kaufen. Eine kleine Kneipe gebe Erhöhungen eher weiter als ein Getränkegroßhandel, erklärte Huhnholz.

Wer sich in einen Biergarten in Süddeutschland setzt, zahlt möglicherweise mehr als ein Käufer in Norddeutschland. Im Süden gebe es mehr kleine, lokale Brauer, mit denen sich die Bierkäufer verbunden fühlten, sagte Demleitner.

Daher gebe es dort weniger Billigbiere als im Norden. Die regionalen Brauer könnten wegen der geringeren Mengen keine so günstigen Biere verkaufen wie die großen Bierkonzerne.

Sie müssen dem Geschäftsführer zufolge auf Qualität setzen, die wiederum mit höheren Kosten verbunden sei. Im Schnitt komme etwa die Hälfte der Preiserhöhung bei den Brauereien an, der Rest seien Steuern oder der Anteil der Zwischenhändler.

Mit dem gesunkenem Bierkonsum hätten die Preiserhöhungen nichts zu tun, sagte Demleitner. Die Großbrauereien reagierten darauf eher mit Preissenkungen. Im ersten Quartal 2008 ging der Bierabsatz nach Angaben des Statistisches Bundesamts in Deutschland um 0,6 Prozent auf 22,2 Millionen Hektoliter zurück.

Die deutschen Bierkonsumenten sind untreu

Im vergangenen Jahr setzten die deutschen Brauereien demnach so wenig Bier ab wie seit 1993 nicht mehr. "Der Markt ist seit Jahren rückläufig", sagte Huhnholz. Brauereien könnten ihren Absatz nur steigern, indem sie die Kunden der Konkurrenz mit Angeboten lockten. Und dies könne auch gelingen: "Die deutschen Bierkonsumenten sind nicht so treu, wie man annimmt."

Wegen des Konkurrenzkampfs rechnet Huhnholz auch nicht mit weiteren Erhöhungswellen in der nächsten Zeit. Auch Demleitner sieht keine Anzeichen für eine weitere Preisrunde. Die Malzpreise hätten sich auf hohem Niveau stabilisiert. Sorge mache den Brauereien eher das Rauchverbot. Umsatzverluste bei Kneipen schlügen auf den Bierumsatz durch, berichtete Demleitner. "Das kann keiner leugnen."