Global Wealth Report:Die Welt ist reich wie noch nie

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Die globale Mittelschicht wächst rasant, doch von einer gerechten Verteilung kann nicht die Rede sein. Auch innerhalb Deutschlands sind die Vermögen unterschiedlich verteilt.

Von Jan Willmroth, Frankfurt

Es ist gerade einmal zehn Jahre her, dass die Finanzwelt in den Abgrund blickte und die Europäer eine Ahnung davon bekamen, was ihnen bevorsteht. Banken mussten gerettet werden, Kapitalmarkt-Profis wurden unruhig, und die Finanzkrise fand in Deutschland ihre Opfer.

Eine Dekade später ist die Welt so reich wie nie zuvor. Nach einem jahrelangen Aufschwung in den meisten Industrieländern und einem Boom an den Aktienmärkten stieg das private Geldvermögen im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf den Höchststand von 169,2 Billionen Euro. Das geht aus dem neuen "Global Wealth Report" hervor, den die Allianz-Versicherung am Mittwoch vorgestellt hat.

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Immer mehr Chinesen können sich Luxusuhren, wie in diesem Geschäft in Hongkong, leisten.

(Foto: Billy H.C. Kwok/Bloomberg)

Vor allem die asiatischen Schwellenländer holen auf. Schließt man das Industrieland Japan aus, wuchsen die Vermögen der Asiaten im vergangenen Jahr um durchschnittlich 15 Prozent, so schnell wie in keiner anderen Region. Allein China trug 2016 fast ein Drittel zum weltweiten Vermögenswachstum bei. Global betrachtet gewinnt vor allem die neue Mittelschicht in den Schwellenländern hinzu. Die Vermögensverteilung verschiebt sich zunehmend zugunsten von Aufsteigern in Ländern wie China, Bulgarien oder Brasilien.

Mehr Menschen als je zuvor sind in der Lage, Geld zu sparen

"Die Mehrheit der neuen Mitglieder der Mittelklasse rekrutiert sich aus der Vermögensunterklasse", schreiben die Ökonomen der Allianz. Gemeint ist: Eine große Gruppe von Menschen, die zuvor so gut wie keine Ersparnisse hatte, häuft zunehmend Vermögen an. Seit der Jahrtausendwende sei etwa 600 Millionen Menschen der Aufstieg in die Mittelklasse gelungen. In den Industrieländern haben sich Globalisierung, Strukturwandel und Finanzkrise umgekehrt ausgewirkt: Einige Millionen Menschen, die jetzt zur Mittelklasse zählen, sind aus der Oberschicht der Vermögenden abgestiegen. Das betreffe vor allem Staaten wie die USA und Japan, aber auch europäische Krisenländer wie Italien und Griechenland, schreiben die Allianz-Forscher. Zur Vermögensmittelklasse zählt die Studie Menschen mit einem Vermögen von 7700 bis 45 900 Euro.

Durch die Verschiebungen bei den Vermögen ist die Welt - im globalen Durchschnitt - erneut gerechter geworden. Mehr Menschen als je zuvor sind in der Lage, Geld zu sparen und Vermögen anzuhäufen. Von einer gerechten Verteilung kann man indes nicht sprechen. Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung besitzen dem Report zufolge fast 80 Prozent des Netto-Vermögens, also der Ersparnisse abzüglich Schulden. Um die Jahrtausendwende lag der Wert noch jenseits der 90 Prozent. Auch hier hat China einen entscheidenden Einfluss: Seit der Jahrtausendwende kamen vier von fünf Aufsteigern aus China. Während sich die globale Vermögensverteilung durch den Aufstieg einer neuen Mittelklasse angleicht, geht die Schere innerhalb einzelner Staaten allerdings weiter auseinander.

Manche Entwicklung in Deutschland steht im Gegensatz zu weltweiten Trends

Von China geht auch eine Entwicklung aus, die langfristig riskant werden könnte. Die Schulden der Privathaushalte wuchsen im vergangenen Jahr so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr und erstmals seit der Finanzkrise wieder schneller als die Wirtschaftsleistung. Auch Privatleute trugen wieder dazu bei, dass Staaten, Unternehmen und Haushalte so viele Schulden angehäuft haben wie nie zuvor. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken hinterlässt dabei ihre Spuren: Es ist global gesehen wieder attraktiv, sich Wohlstand aus der Zukunft zu borgen.

Für Europas Sparmeister Deutschland gilt das nicht. Ohnehin steht manche Entwicklung in Deutschland im Gegensatz zu weltweiten Trends. So waren deutsche Sparer im vergangenen Jahr wieder sehr risikoscheu, trugen ihr Geld lieber zur Bank, anstatt es am Kapitalmarkt zu investieren. Deshalb profitierten sie größtenteils auch nicht von der guten Entwicklung an den Weltbörsen. In Nordamerika, schreiben die Allianz-Forscher, wuchsen die Vermögen vor allem, weil der Vermögensbestand an Wert gewann. In Deutschland stiegen die Vermögen dagegen eher, weil die Menschen ihr Geld zur Bank trugen. "Während die amerikanischen Haushalte also ihr Geld für sich arbeiten lassen", schreiben die Autoren, "ist es in Europa und vor allem in Deutschland umgekehrt: Vermögenswachstum wird durch eigene Sparleistungen hart erarbeitet." Wobei die Vermögen auch innerhalb Deutschlands unterschiedlich verteilt sind. Das Land ist bei den privaten Ersparnissen nach wie vor zwischen Ost und West geteilt. Pro Kopf sind die Vermögen in den ostdeutschen Bundesländern nur halb so hoch wie im Westen. Die Bürger der ehemaligen DDR hatten jahrzehntelang keine Möglichkeit, private Vermögen anzuhäufen, das wirkt bis heute nach. Und mit Blick auf die Sparleistungen der Deutschen wird sich so schnell auch nichts daran ändern.

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