bedeckt München
vgwortpixel

Française des Jeux:Ihre Einsätze, bitte!

Ein Mitarbeiter von Française des Jeux bereitet am Fernsehset die Lottokugeln für die Auslosung des Spiels "Euromillion" vor.

(Foto: Joel Saget/AFP)

Frankreich bringt seine Staatslotterie an die Börse. Die Regierung bewirbt das Papier als neue Volksaktie.

Es ist der Börsengang des Jahres in Frankreich. Weil es der größte ist - und weil fast alle im Land das Unternehmen kennen: An diesem Donnerstag verkauft der französische Staat an der Börse einen Großteil seiner Beteiligung an der Lottogesellschaft Française des Jeux.

Die Regierung in Paris hat die Papiere des Glücksspielbetreibers zur Volksaktie erklärt. Die Franzosen sollen bei ihrer Lotterie nicht nur mit Spielscheinen oder Rubbellosen Geld verdienen können (oder verlieren). Sondern auch mit der Aktie. Und der Plan geht auf: Die Nachfrage der Anleger war bis Ablauf der Zeichnungsfrist deutlich höher als von der Regierung erhofft. Auch institutionelle Anleger wie Banken und Versicherungen griffen schnell zu.

Der Staat - neben Veteranenverbänden der historische Aktionär von Française des Jeux - kann mit einem Erlös von fast zwei Milliarden Euro rechnen. Er senkt seinen Anteil an der Firma von 72 auf 20 Prozent und investiert das Geld in den Abbau von Schulden sowie in einen Fonds für innovative Firmen. "Es ist ein großer Erfolg", schwärmt Finanzminister Bruno Le Maire. Gelingt der Börsengang von Française des Jeux, so das Kalkül, bereitet das den Weg für Verkäufe weiterer Staatsfirmen.

Anders als im Fall des Flughafenbetreibers ADP, den Le Maire ebenfalls veräußern möchte, gibt es an der Privatisierung der Lotterie überraschend wenig Kritik. Nur am Rande wurde zuvor diskutiert, ob mit der veränderten Eigentümerstruktur nicht auch der Verlust des Monopols von Française des Jeux auf die meisten Geldspiele in Frankreich einhergehen müsste. Bedenken, ein privates Unternehmen werde weniger auf Suchtprävention bei gefährdeten Spielern achten, beantwortet Le Maire mit verstärkter Regulierung.

Die Regierung hat viel getan, um Anleger zu ködern. Privatpersonen, die für weniger als 5000 Euro Aktien zeichnen, haben bei der Zuteilung Vorrang. Zudem erhalten sie einen Rabatt von zwei Prozent auf den Ausgabepreis von 19,90 Euro sowie jeden elften Anteilsschein gratis. Und vor allem: 1933 gegründet, um Kriegsversehrten zu helfen, hat Europas zweitgrößte Lotterie noch Wachstumsperspektiven. Auch dank Onlinewetten steigen Jahr für Jahr die Einnahmen aus den Einsätzen, auf zuletzt 16 Milliarden Euro. Tatsächlich ist Française des Jeux eines der wenigen Pariser Staatsunternehmen, die gut dastehen.

Ob eine gelungene Privatisierung die Franzosen mit der Börse versöhnt, ist eine andere Frage. Das Platzen der Dotcom-Blase zu Anfang der Nullerjahre und die Finanzkrise 2008 haben Anleger vorsichtig gemacht. Gerade mit Volksaktien haben sie schlechte Erfahrungen: Papiere des Stromversorgers EDF oder des Telekomkonzerns Orange notieren noch heute weit unter dem Ausgabepreis.