Farmville-Erfinder Das Spiel ist aus

"Wir haben unsere Spezialsoße verloren", klagte Zygna-Chef Mark Pincus 2013. Geholfen hat die Einsicht wenig: Es mangelt an Neuerscheinungen.

(Foto: David Paul Morris/Bloomberg)

"Wir haben unsere Spezialsoße verloren", klagte Zygna-Chef Mark Pincus im Jahr 2013. Die Einsicht half nicht, der Spielespezialist geht - mal wieder.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Zu Beginn ein Hinweis an all jene, die an die Existenz des psychologischen Phänomens Déjà-vu glauben: Ja, es ist durchaus möglich, dass der eine oder andere die gleich folgende Meldung schon einmal gelesen hat. Im Juli 2013 womöglich, denn da trat Mark Pincus als Chef der von ihm gegründeten Browserspiele-Firma Zynga zurück und wurde von einem ehemaligen Manager des Computerspiel-Unternehmens Electronic Arts ersetzt. Hier nun also die Meldung im März 2016: Mark Pincus tritt als Chef von Zynga zurück, sein Nachfolger wird der ehemalige Electronic-Arts-Manager Frank Gibeau.

Der Rücktritt von Pincus, 50, fühlt sich nicht nur deshalb ein bisschen an wie eine Szene aus dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", in dem der von Bill Murray dargestellte Protagonist den gleichen Tag viele Male nacheinander erlebt. Der Film passt auch wunderbar zur mittlerweile neun Jahre dauernden Geschichte von Zynga: Die Firma ist vor allem den Nutzern von Facebook bekannt, die täglich Einladungen zu Spielen wie "Farmville", "Cityville" oder "Mafiawars" bekommen. Wer jemals behauptet hat, dass Computerspiele nicht aggressiv machen, der soll einen Monat lang die Einstellungen im sozialen Netzwerk dahin gehend ändern, dass diese Aufforderungen zum Mitspielen ohne Einschränkungen erlaubt sind.

Zynga war im Jahr 2011 ein Liebling der Investoren, kurz nach dem Börsengang im Dezember 2011 wurde das Unternehmen mit knapp zehn Milliarden Dollar bewertet, es beschäftigte damals mehr als 3000 Mitarbeiter und zog gerade in ein prächtiges 228-Millionen-Dollar-Gebäude in San Francisco ein. Zudem hatte das Unternehmen den Entwickler Newtoy gekauft, der solche beliebten Spiele wie "Words with Friends" und "Chess with Friends" produziert hatte. Danach kaufte es die Spielehersteller OMGPOP ("Draw Something") und Buzz Monkey ("Tomb Raider"). Anfang 2013 spielten insgesamt 265 Millionen Menschen mit Produkten von Zynga.

Dann jedoch beendete Facebook die Partnerschaft mit Zynga und änderte seine Einstellungen für die Privatsphäre. Die Nutzer wurden von März 2013 an weitgehend von den Einladungen zum Zocken verschont. Das freilich war ein gewaltiger Rückschlag für Zynga, das zudem nur Murmeltiere grüßen ließ und kaum anderen Tiere auf den Markt brachte. Das Unternehmen verpasste den Aufstieg mobiler Plattformen, der für den Erfolg von Spielen anderer Unternehmen wie etwa "Candy Crush", "Clash of Clans" oder "Plants vs. Zombies" sorgte.

Im Juli 2013 trat Pincus zurück und übertrug Don Mattrick die Leitung. Der jedoch setzte weniger auf Innovationen, sondern wandte die klassischen Krisenmanager-Strategien an: Mitarbeiter entlassen, Firmenableger schließen. Der Wandel blieb aus, Pincus kehrte im April vergangenen Jahres zurück. "Wir haben unsere Spezialsoße verloren", sagte er damals: "Ich glaube, es ist wichtig, der Firma unsere DNA wieder einzuflößen." Nun, auch das könnte man als Murmeltier-Aussage verstehen, bei der Verkündung der Quartalszahlen vor wenigen Wochen sagte er: "Uns fehlen signifikante Neuerscheinungen, das erklärt den Rückgang der Nutzerzahlen. Das werden wir ändern." Mittlerweile arbeiten nur noch 1670 Menschen bei Zynga, das mit nur noch 1,3 Milliarden Dollar bewertet wird und das Firmengebäude in San Francisco zu verkaufen versucht.

Gibeau soll es nun richten, in diesem Jahr will Zynga zehn neue Spiele auf den Markt bringen. Anhänger des Phänomens Déjà-vu und des Murmeltier-Films dürften sich angesichts der Ankündigungen freuen, Investoren eher erschaudern: Es soll unter anderem eine Mobilversion von "Cityville" geben, eine Fortsetzung des Rennspiels "CSR" und noch eine Folge von "Farmville".