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Evonik:Hart am Wind

Seit 13 Jahren wirbt Evonik auf den Trikots von Borussia Dortmund. Bald wird das Logo der Essener dort deutlich seltener zu sehen sein.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Der Chemiekonzern leidet unter Handelskonflikten und Corona-Epidemie. Nun spart Evonik, auch am Sponsoring.

Von Benedikt Müller, Essen

Weltweite Handelskonflikte, die Schwäche der Autoindustrie sowie neuerdings die Folgen des Coronavirus: Der Chemiekonzern Evonik sieht sich in einem schwierigen Umfeld. "2020 wird kein einfaches Jahr werden", sagt Vorstandschef Christian Kullmann. Da die Essener Kosten eingespart haben, konnten sie ihren Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im vergangenen Jahr gerade so stabil halten, bei gut 2,15 Milliarden Euro. "2019 war ein Jahr für Frischluftfans", so Kullmann, "Der Wind in der Weltwirtschaft kam von vorne."

Für 2020 prognostiziert Evonik nun ein sogenanntes Ebitda (operatives Ergebnis) von zwei bis 2,3 Milliarden Euro. "Nach wie vor schwebt das Risiko der Ausweitung des Handelskrieges über uns", konstatiert Kullmann, der Ende des Monats als Präsident an die Spitze des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) aufrücken soll. Alleine die Folgen der Coronaepidemie würden Evonik in diesem Quartal voraussichtlich mit etwa 30 Millionen Euro belasten.

Das M-Dax-Unternehmen mit gut 32 000 Beschäftigten stellt Chemikalien her, die beispielsweise in 3-D-Druckern oder auch im Tierfutter zum Einsatz kommen. Und es will all seine Geschäfte von Juli an in vier Divisionen gliedern, die künftig keine eigenständigen Gesellschaften mehr mit jeweils eigenen Vorständen und Aufsichtsräten sein sollen. Im Zuge dieses Umbaus könnten etwa 150 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren, sagt Personalvorstand Thomas Wessel. "Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir sozial verträgliche Lösungen finden werden."

Evonik hatte sich bereits 2018 ein Sparprogramm verordnet und angekündigt, etwa 1000 Stellen abzubauen, dabei freilich auf Kündigungen verzichtet. Die Kostendisziplin geht so weit, dass die Essener - wie kürzlich angekündigt - ihr Sponsoring der Fußballmannschaft Borussia Dortmund runterfahren. Von der nächsten Bundesligasaison an soll das Evonik-Logo zumindest in der Bundesliga nicht mehr auf den BVB-Trikots prangen. "Bei Evonik gibt es keine heiligen Kühe", erklärt Vorstandschef Kullmann die Entscheidung. Dem Vernehmen nach wird sein Konzern künftig nur noch die Hälfte der bislang etwa 20 Millionen Euro nach Dortmund überwiesen.

An der Börse hat Evonik am Mittwoch zeitweise fünf Prozent an Wert gewonnen. Die Essener hätten trotz des schwierigen Umfelds etwas besser gewirtschaftet als erwartet, erklären Analysten. Den Aktionären will Evonik auch in diesem Jahr eine Dividende von 1,15 Euro je Anteilsschein ausschütten. Dies kommt vor allem der RAG-Stiftung aus Essen zugute; die Mehrheitsaktionärin von Evonik kommt seit vorigem Jahr für die Folgekosten des Steinkohlenbergbaus in Deutschland auf, versucht sich aber zusehends breiter aufzustellen.

© SZ vom 05.03.2020

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