Essens-Lieferdienste Duell der Giganten

Foodora-Fahrer protestieren in Berlin: Delivery Hero soll die Reparaturkosten ihrer Räder übernehmen.

(Foto: F. Boillot/imago)

In kaum einem Land der Welt ist dieser Markt so umkämpft wie in Deutschland. Warum ist das so? Und wie könnte dieser Kampf ausgehen?

Von Sophie Burfeind

Felix Chrobog sagt, er mache sich keine Sorgen. Konkurrenz belebe den Markt. Chrobog ist der Deutschland-Chef von Deliveroo, einem Lieferservice aus Großbritannien. Seit April 2015 ist Deliveroo in Deutschland aktiv. Das heißt: Seit vielen Monaten radeln türkis gekleidete Deliveroo-Kuriere mit pink gekleideten Foodora-Kurieren um die Wette, um möglichst viele Restaurantbestellungen an Haustüren abzuliefern. Daneben gibt es natürlich noch viele andere Kuriere, sie sind aber nicht ganz so knallig angezogen.

Deutschland ist einer der am härtesten umkämpften Märkte weltweit für Lieferservices, die Pizza, Nudeln und andere Gerichte nach Hause liefern. Es ist ein Geschäft mit sehr geringen Margen, an einer Bestellung verdienen die Firmen nur ein paar Euro. Lukrativ kann dieses Geschäft also nur für denjenigen werden, der sehr viele Bestellungen bei möglichst geringen Kosten ausliefert. Ein starker Wettbewerb aber drückt die Preise und hebt die Kosten. Denn die Firmen müssen mehr Geld für Marketing ausgeben, um in dem sehr laut gewordenen Geschrei um die Aufmerksamkeit der Menschen noch gehört zu werden.

Das macht es für alle Wettbewerber schwierig, profitabel wachsen und wirtschaften zu können. Wie also könnte dieser Wettbewerb ausgehen? Und warum ist er in Deutschland so brutal?

Der Grund dafür ist, dass sich hierzulande zwei große Rivalen gegenüberstehen, die beide behaupten, Marktführer zu sein: Delivery Hero aus Berlin und Takeaway aus den Niederlanden. Zu Delivery Hero gehören Lieferheld, Pizza.de und Foodora, zu Takeaway gehört Lieferando. Takeaway setzte im ersten Halbjahr 2017 etwa 77 Millionen Euro um, Delivery Hero kam in diesem Zeitraum auf 246,5 Millionen. Schwarze Zahlen schreiben sie beide noch nicht.

Auch wenn all diese Dienste fertige Gerichte liefern, muss man zwischen zwei Geschäftsmodellen unterscheiden: Lieferheld, Pizza.de und Lieferando sind Marktplätze. Das heißt, der Kunde bestellt über ihre Online-Plattform bei einem Restaurant, die Radler-Flotte des Restaurants liefert das Essen. Für die Vermittlung erhalten die Anbieter eine Provision. Foodora dagegen beschäftigt eigene Fahrer, die mit kleineren Restaurants ohne eigene Fahrer zusammenarbeiten. Der direkte Konkurrent hierbei ist Deliveroo, die zu keinem Verbund gehören. Diese Firma arbeitet allerdings hauptsächlich mit selbständigen Fahrern zusammen.

Anfang der Woche gab es Gerüchte, dass die beiden großen Rivalen - Delivery Hero und Takeaway - fusionieren könnten. "In jedem großen Land der Welt kann es nur einen Anbieter geben", hatte Takeaway-Chef Jitse Groen dem Tagesspiegel gesagt und der Zeitung zufolge einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten als Option genannt. Auch Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg, so hieß es, soll mit einer Konsolidierung in der Branche in Deutschland rechnen. Beide Seiten dementierten später allerdings, dass es schon konkrete Pläne für einen Zusammenschluss gebe. Dennoch halten es Experten für wahrscheinlich, dass es dazu kommt. Auch in Großbritannien haben sich beispielsweise die beiden Rivalen Just Eat und Hungryhouse zusammengetan. "Grundsätzlich macht eine solche Fusion Sinn, wenn damit eine Art Anbietermonopol geschaffen wird, das sich positiv auf Kundengewinnung, Marge und Kundenbindung auswirkt", sagt E-Commerce-Experte Alexander Graf. In diesen Bereichen müssten die Anbieter besser werden, um profitabel wachsen zu können. Solange sie konkurrierten, sei das schwierig. Felix Chrobog sieht das anders: "Ich bin der Meinung, dass der Markt kurz- und mittelfristig groß genug ist, dass wir und Foodora gesund expandieren können." Deliveroo ist schon in 15 deutschen Städten vertreten, dieses Jahr sollen weitere folgen.

Der größte Konkurrent für alle Online-Anbieter aber sei das Telefon, sagt der Sprecher von Delivery Hero: "An die 50 Prozent der Leute rufen an, um Essen zu bestellen."