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Energiebranche:Stürmische Zeiten

Offshore-Windpark  Nordsee 1

Das Geschäft läuft schlecht: Techniker auf der Arbeitsplattform eines Windkraftrades im Meer vor der ostfriesischen Insel Spiekeroog.

(Foto: Ingo Wagner/d)

Der Windanlagenbauer Senvion steht stark unter Druck - die Aktie verliert an Wert.

Von Alexandra Jegers

Lange hatten die deutschen Hersteller von Windkraftanlagen große Hoffnungen, dass sie von der Energiewende profitieren. Doch nun machen der dramatische Preisverfall und der harte Konkurrenzkampf der Branche zu schaffen. In immer größeren Schwierigkeiten ist dabei das Hamburger Unternehmen Senvion, das offenbar nach einem enttäuschenden Geschäftsjahr ums Überleben kämpft. Die Aktie verlor am Montag erneut und büßte zwischenzeitlich fast ein Fünftel an Wert ein. Das Papier notierte auf einem Tief bei einem Euro. Seit Mai 2018 hat die Aktie knapp 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Am Wochenende hatte Senvion, das seit vier Jahren mehrheitlich dem Hedgefonds Centerbridge gehört, mitgeteilt, dass Gespräche mit dem Hauptaktionär, den Kreditgebern und anderen Finanzierungsquellen laufen, um die Finanzierung der Gesellschaft sicherzustellen. Zudem sei ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben worden, das im zweiten Quartal vorliegen solle. Solche Gutachten werden meist von Banken in Auftrag gegeben, die befürchten, dass ein überschuldetes Unternehmen seine Kredite nicht zurückzahlen kann. Wegen des Gutachtens wurde auch die eigentlich für den 14. März geplante Vorstellung des Jahresberichts verschoben. Bekannt ist bereits, dass es 2018 alles andere als gut lief. So musste Senvion erst in der vergangenen Woche wegen Lieferproblemen seine Jahresprognose nach unten revidieren.

Statt der erhofften 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftete der Konzern im vergangenen Jahr nur 1,45 Milliarden Euro Umsatz. Der bereinigte operative Gewinn betrug 2018 etwa 40 Millionen Euro. Ursprünglich hatte das Unternehmen mit 80 Millionen Euro gerechnet. Grund für das enttäuschende Ergebnis sollen laut Senvion Verzögerungen bei der Installation neuer Windanlagen gewesen sein. "Wir haben in einem herausfordernden Marktumfeld operationale Fehler gemacht", sagte Vorstandschef Yves Rannou. Der ehemalige GE-Manager wechselte erst im September zu Senvion, um den strauchelnden Windkonzern wieder auf Kurs zu bringen.

Gelingen soll die Wende mit einer Reihe von Maßnahmen. "Wir haben ein starkes Auftragsbuch von fast fünf Milliarden Euro, eine sehr gute Marktposition und Produkte, die von unseren Kunden nachgefragt werden", sagt Rannou. Zudem will er das Produktportfolio verkleinern, um die Kosten zu senken. Auch richtet der Vorstandschef seinen Blick weg von Deutsch-land: In Zukunft wolle man sich auf "vielversprechende Wachstumsmärkte" konzentrieren, zum Beispiel Indien oder Lateinamerika. Die ersten Schritte in diese Richtung hat das Unternehmen bereits unternommen, im Mai 2018 vergab die indische Regierung einen Großauftrag für den Bau von 131 Turbinen.

© SZ vom 26.02.2019
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