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Energie: Neuer Stromsparclub:Georg Kofler, der König der Kiste

Der einstige Fernseh-Chef Georg Kofler will den Energieverbrauch der Deutschen senken und damit Millionen verdienen. Im Mittelpunkt steht - wie beim Pay-TV - eine kleine Kiste.

Zumindest das Banner bringt leicht revolutionäre Stimmung ins frühere Heizkraftwerk Mitte. Vom Hallendach des Münchner Backsteinbaus bis hinab zum Boden hängt sie, darauf umklammert eine weiße Faust einen Blitz.

Gründung Kofler Energie Club

Georg Kofler: Früher Medienmanager, jetzt Vorstandsvorsitzender von Kofler Energies.

(Foto: dpa)

So sieht das Logo aus des neuesten Projekts von Georg Kofler, des "Kofler Energies Clubs". Auf der Bühne neben der markanten Leinwand steht jener Mann, der einst als einst Chef der Sender Pro Sieben und Premiere das Fernsehen verändert hat. Nun ruft er zur Revolution auf: Zur Energierevolution, die den Deutschen Geld einsparen und das Klima schützen soll - und von der sich der Initiator selbst Millioneneinnahmen erhofft.

Georg Kofler, 53, rückt sein Mikrofon zurecht, dann stellt er seine Pläne vor: Mit der Vermittlung von günstigem Strom und Hilfe beim Energiesparen will er Hausbesitzer und Mieter locken, alles aus einer Hand für einen Jahresbeitrag von 75 Euro.

Im Oktober soll der Club starten. Bereits im ersten Jahr verspricht der ehemalige Medienmanager jedem Mitglied Energieeinsparungen von mindestens 150 Euro. Der gerne messianisch auftretende Kofler sieht ein riesiges Sparpotential - für 40 Millionen Haushalte in Deutschland hat er 20 Milliarden bis 30 Milliarden Euro im Jahr errechnet. "Im Durchschnitt von 500 Euro enthalten ist die Villa mit Swimmingpool ebenso wie die Studentenwohnung", sagt Kofler.

Für das Projekt hat sich der Italiener, der aus Südtirol stammt, Verstärkung von der Konkurrenz geholt: Den Vorstandsvorsitz beim Kofler Energies Club übernimmt Peter Vest, der ehemalige Chef von Yello Strom. Georg Kofler selbst führt den Aufsichtsrat der neuen AG.

Nun widmet sich Kofler dem Kleinvieh

Der Club ist eine hundertprozentige Tochter von Kofler Energies. Die hatte Kofler, das Energiebündel mit alpiner Erfahrung, vor zwei Jahren gegründet - mit jenen vielen Millionen, die er nach dem Börsengang von Premiere verdiente, indem er seine Anteile verkaufte.

Kofler Energies bietet Firmen bereits seit 2008 Energieberatung an. Mit mehr als 200 Ingenieuren setzte das Münchner Unternehmen 2009 rund 91 Millionen Euro um. Unter den Kunden waren der Flughafen Frankfurt, BMW und die Hotelkette Arabella Sheraton. Nun widmet sich Kofler neuen Kunden. Kleinvieh macht auch Mist.

Vieles erinnert dabei an sein früheres Gewerbe. "Statt Fernsehabonnenten suchen wir nun Energieabonnenten", sagt Kofler selbst. Und eine Schlüsselrolle nimmt auch diesmal eine kleine Kiste ein: Bei Premiere - dem heutigen Sender Sky - hieß der Decoder einst d-Box, bei Koflers Club steht im Mittelpunkt eine K-Box. Mit K wie Kofler.

Das Kästchen sammelt per Funk Informationen von den Stromzählern und angeschlossenen Geräten. Nutzern listet dann ein Programm ihren Verbrauch auf, dies soll das Sparen erleichtern.

"Der ADAC der Energiesparer"

Den detaillierten Stromverbrauch zeigen auch andere Energieversorger an, Strompreise lassen sich im Internet vergleichen. Der Kofler Energies Club setzt deshalb auf ein Gesamtpaket mit allen Informationen zum Energiesparen - angeblich ohne böse Hintergedanken. "Wir wollen unseren Kunden so wenig Energie wie möglich verkaufen", sagt Kofler. Trotzdem will er bereits im Jahr 2012 mit einer Million Kunden eine Milliarde Umsatz erreichen.

Der Clubbeitrag von 75 Euro im Jahr kann da keine große Rolle spielen. Verdienen wollen Kofler und Vest vor allem mit dem Verkauf von Strom und energieeffizienten Geräten wie Heizkesseln. Clubchef Vest rechnet damit, dass 60 bis 70 Prozent der Mitglieder auch Strom beim Club kaufen. "Pro Kunde rechnen wir mit 1500 bis 2000 Euro Umsatz", räumt Kofler ein.

Große Vergleiche liegen dem studierten Kommunikationswissenschaftler, der sich das Handwerk beim ORF-Intendanten Gerd Bacher und vor allem beim Münchner Medienhändler Leo Kirch abschaute. Nun hat er nicht weniger als eine Massenbewegung im Sinn. "Der Kofler Energies Club soll der ADAC der Energiesparer werden", sagt er und stößt in dem früheren Heizkraftwerk mit dem Zeigefinger in die Luft.

Das klingt nach mächtigen Vorbildern - wenn auch nicht wirklich nach Revolution.

© sueddeutsche.de/jja
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