Elektronik Schlaue Uhren, autonome Staubsauger

Die Deutschen geben in diesem Jahr 59 Milliarden Euro für Elektronik aus.

Von Benedikt Müller, Köln

Womöglich wird man sich einst fragen, warum man beim Hausputz früher immer das Kabel des Staubsaugers hinter sich hergeschleppt hat. Kommt doch mittlerweile jeder zweite Sauger, der hierzulande gekauft wird, ohne direkten Stromanschluss aus. Im Trend sind zum einen Akkusauger, die spätestens nach einer Stunde wieder aufgeladen werden müssen. So wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres 61 Prozent mehr batteriebetriebene Handstabstaubsauger verkauft als im Vorjahreszeitraum, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) berichtet. Zum anderen kurven immer mehr Saugroboter vollautomatisch durch hiesige Wohnungen. Der Trend gehe zum hippen Zweitgerät, sagt GfK-Expertin Martina Sedlmaier und berichtet gar: "Staubsaugen ist salonfähig geworden."

Auf derlei Neuheiten ist die Konsumelektronikbranche auch angewiesen. Etwa 59 Milliarden Euro werden die Deutschen in diesem Jahr für Hausgeräte und Computer, Smartphones und Kameras ausgeben, prognostiziert die GfK. Das wären magere 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl doch so viele Menschen arbeiten wie nie zuvor und zumindest viele Tariflöhne gestiegen sind. Immerhin erwarten die Händler ein reges Weihnachtsgeschäft: "Wir gehen davon aus, dass da noch ein Schnaps obendrauf kommt", sagt jedenfalls Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT).

"Die Fußball-WM hat uns das Fernsehgeschäft ein bisschen verhagelt."

Nicht so gut zu sprechen sind seine Händler in diesem Jahr auf die deutsche Nationalmannschaft: "Die Fußball-WM hat uns das Fernsehgeschäft ein bisschen verhagelt", klagt Fischel. Dass die hiesigen Kicker beim Turnier in Russland so früh ausgeschieden sind, sei für die Verkäufer schlecht gewesen, hätten sich in den Vorjahren doch einige Kunden noch einen Flachbildschirm zugelegt, wenn die K.O.-Spiele der Mannschaft anstehen. Zur Wahrheit gehört freilich auch, dass die Neuheiten der Fernsehbranche immer gigantischer und teurer werden. "Wir reden über immer größere Bildschirmdiagonalen", weiß Fischel. Nun kommen erste 8K-Geräte auf den Markt, die eine nochmals viermal höhere Auflösung versprechen als Ultra HD. Bei Samsung beginnen entsprechende Schirme bei knapp 5000 Euro.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der in Technik & Wirtschaft vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

Auch Hersteller berichten, dass sie in den ersten drei Quartalen dieses Jahres hierzulande acht Prozent weniger Fernseher verkauft haben als im Vorjahreszeitraum. Das teilt der Verband GFU mit, der jährlich die Internationale Funkausstellung (IFA) ausrichtet und regelmäßig die Umsätze mit Elektronik erfasst. Ein leichtes Wachstum kann die GFU vor allem deshalb melden, weil der Umsatz mit Smartphones binnen Jahresfrist um gut 13 Prozent gestiegen ist - auch dank teurer Neuheiten. Der BVT zählt vor allem jene Smartphones zu seinen vielversprechenden Innovationen, die dank Künstlicher Intelligenz künftig schärfere Fotos schießen sollen.

Ein noch stärkeres Wachstum melden die Händler mit sogenannten Smartwatches. Diese digitalen Armbanduhren empfangen etwa Kurznachrichten und spielen Musik ab, sie können aber auch den Puls messen oder Schritte zählen. "Demnächst können Sie auch mit den Smartwatches bezahlen", sagt Fischel. In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben Kunden in Deutschland ganze 1,1 Millionen schlaue Uhren gekauft, rechnet die GfK hoch. Das seien 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, während der Umsatz mit herkömmlichen Armbanduhren von Jahr zu Jahr leicht zurückgehe.

Computer fürs Handgelenk: Smarte Uhren verkaufen sich immer besser, mit einigen davon kann auch kontaktlos bezahlen.

(Foto: Fossil Group/obs)

Unausweichlich scheint indes, dass man im Haushalt künftig noch mehr altvertraute Aufgaben an die Automaten abgeben kann, so man das möchte. Keineswegs nur das Saugen, nein, auch dosieren immer mehr Geschirrspüler selbst, wie viel Reinigungsmittel heute wohl nötig ist, um das angesammelte Geschirr wieder auf Hochglanz zu polieren. Auch moderne Waschmaschinen wählen neuerdings selbst, wie viel Mittel sie schlucken, und gehen nahtlos zum Trocknen in derselben Trommel über, sobald die Wäsche wieder sauber ist.