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Devisen und Rohstoffe:Verunsicherung am Ölmarkt

Die Angst vor einem Nachfrage-Einbruch - nicht zuletzt wegen der Unruhen in den USA - sorgt für fallende Rohölpreise. Andererseits stützen Spekulationen auf weitere Förderkürzungen.

Der Euro ist am Montag leicht gestiegen. Zeitweise kletterte der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung auf 1,1154 Dollar, am Abend lag er noch bei 1,1131 Dollar. Am Freitag hatte ein Euro noch knapp 1,11 Dollar gekostet. Vor allem Konjunkturdaten zu Italien gaben dem Euro Auftrieb. Dort hatte sich der Einkaufsmanagerindex im Mai nach dem Einbruch im Vormonat deutlich aufgehellt. Die Erwartungen wurden merklich übertroffen. Italien wurde durch die Corona-Krise besonders hart getroffen, der Indikator war im April auf einen Rekordtiefstand gefallen. Für die Eurozone insgesamt bewegten sich die Daten laut einer zweiten Schätzung jedoch im Rahmen der Erwartungen.

Unsicherheit herrschte am Ölmarkt. Händler verwiesen auf Nachfragesorgen durch die Unruhen in den USA sowie den Konflikt zwischen den USA und Peking. Zudem wurde bekannt, dass die Organisation Erdöl produzierender Staaten und ihre Partner (Opec+) noch in dieser Woche entscheiden wollen, ob sie ihre Produktionskürzungen fortsetzen. Ein Fass der US-Sorte WTI kostete zeitweise mit 34,27 Dollar gut drei Prozent weniger als am Vortag. Bis zum späten Abend zog die Notierung wieder etwas an. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis kommen die USA nicht zur Ruhe. In mehreren US-Metropolen gab es die sechste Nacht in Folge Proteste, die teils in Gewalt ausarteten. Diese Entwicklung ist ein erneuter Rückschlag für die ohnehin durch die Corona-Pandemie eingebrochene US-Wirtschaft und könnte die Nachfrage nach Rohöl dämpfen. Die Notenbank von Atlanta schätzt zudem, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 51 Prozent sinken könnte. Auch auf dem Arbeitsmarkt sieht es düster aus: Es wird erwartet, dass der für kommenden Freitag erwartete Beschäftigungsbericht für Mai eine Arbeitslosenquote von 19,8 Prozent zeigen wird

© SZ vom 02.06.2020 / amon, Reuters, dpa
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