bedeckt München 10°

Devisen und Rohstoffe:Kurssturz bei der türkischen Lira

Der Rückgang der türkischen Devisenreserven bereitet den Investoren Sorgen. Die türkische Währung fällt und näherte sich am Mittwoch ihrem Rekordtief.

Der Euro ist am Mittwoch deutlich gestiegen. Die Notierung der kletterte zeitweise über die Marke von 1,19 Dollar bis auf 1,1905 Dollar, lag am Abend allerdings bei 1,1875 Dollar. In der vergangenen Nacht stand der Kurs knapp unter 1,18 Dollar. Erneut zeigte sich am Devisenmarkt eine Dollar-Schwäche, die dem Euro im Gegenzug Auftrieb verlieh. Marktbeobachter erklärten die Kursverluste der US-Währung mit dem politischen Ringen in Washington über ein neues Corona-Hilfspaket. Demokraten und Republikaner haben sich bisher nicht auf weitere Maßnahmen im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise einigen können. Für gute Stimmung am Devisenmarkt sorgten die Einkaufsmanagerindizes, die für Juli wieder Wachstum signalisierten. Der Einzelhandel in der Eurozone hat sein Vorkrisenniveau im Juni sogar schon wieder erreicht.

Die türkische Lira beschleunigte ihre Talfahrt, ein Dollar kostete mit 7,05 Lira zwei Prozent mehr als am Vortag. Damit ist der Kurs von seinem Mai-Rekordtief nicht weit entfernt. Vor allem der Rückgang der türkischen Devisenreserven bereitet Investoren Kopfzerbrechen. Um den Kurs der Währung zu stützen, greift die türkische Notenbank zusammen mit Staatsbanken in den Markt ein. Schätzungsweise 110 Milliarden Dollar wurden nach Berechnungen von Händlern dafür ausgegeben. Doch die Reserven leeren sich, die Bestände sind von 81 auf 51 Milliarden Dollar gesunken. Sollte es nicht gelingen, die Bestände aufzubauen, droht nach Einschätzung von Analysten eine weitere Abwertung der Landeswährung. Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass die Notenbank bald wegen der Abwertung der Lira den Leitzins erhöhen muss.

Nach dem Sprung über die 2000-Dollar-Marke zog der Goldpreis weiter an: Eine Feinunze des Edelmetalls kostete bis zu 2044 Dollar, das ist so viel wie nie zuvor.

© SZ vom 06.08.2020 / amon, Reuters, dpa
Zur SZ-Startseite