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Devisen, Anleihen, Rohstoffe:Euro fällt weiter

Inflationsspekulationen stärken den Dollar und drücken im Gegenzug die europäische Gemeinschaftswährung auf den tiefsten Stand seit drei Monaten. Auch der Markt für Staatsanleihen ist betroffen.

Der Euro hat zu Wochenbeginn weiter nachgegeben. Am Montagnachmittag kostete die Gemeinschaftswährung mit 1,1857 Dollar gut einen halben US-Cent weniger und war damit so billig wie seit drei Monaten nicht mehr. Der Euro wird schon seit einiger Zeit durch einen steigenden Dollar unter Druck gesetzt. Ausschlaggebend sind zunehmende Wachstums- und Inflationserwartungen in den USA, die auf das von der Regierung angestoßene Konjunkturpaket in Billionenhöhe zurückgehen. Zudem belasteten enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland die europäische Devise. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe war im Januar deutlich zurückgegangen. Analysten verwiesen allerdings auf einige Sonderbelastungen. Dennoch dürfte es schwer werden, ein Schrumpfen der Gesamtwirtschaft im ersten Quartal zu verhindern, erklärte Chefökonom Carsten Brzeski von der ING. Am Anleihemarkt ging der Ausverkauf wegen der steigenden Wachstums- und Inflationserwartungen in den USA weiter. Das trieb die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen zeitweise auf plus 1,613 Prozent. Damit lag sie nur noch knapp unter ihrem Hoch vom vergangenen Freitag. Die Rendite ihrer deutschen Pendants stieg auf minus 0,276 Prozent. Steigende Anleiherenditen erhöhen die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen.

Zusätzlich befeuert wurden die Inflationsspekulationen vom erneuten Anstieg des Ölpreises. Die Sorte Brent aus der Nordsee markierte ein 14-Monats-Hoch bei 71,38 je Barrel. Auslöser der Kurssprünge war ein Angriff auf saudi-arabische Ölanlagen am Wochenende. Anleger müssten mit weiteren Preisanstiegen rechnen, da die Frequenz derartiger Attacken offenbar zunehme, schrieben die Analysten der ING Bank unter Hinweis auf einen Vorfall wenige Tage zuvor. Dennoch gab der Bent-Preis im Handelsverlauf seine Gewinne wieder ab und fiel unter die 70-Dollar-Marke zurück.

© SZ vom 09.03.2021 / SZ, Reuters, dpa
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