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Deutscher Discountmarkt in der Schweiz:"Zu Aldi gehe ich nicht mehr so schnell"

Seit einem Jahr ist Aldi in der Schweiz - und stößt dort auf geteilte Zustimmung. Viele Kunden fremdeln, andere freuen sich über die günstigeren Preise.

Judith Raupp

Ruth Rämi schaut grimmig, keinesfalls wie eine glückliche Kundin. Das liegt nicht nur am Lärm, mit dem die Teerwalze über den Max-Bill-Platz im Züricher Stadtteil Oerlikon rumpelt. Rund um den neuen Geschäftsblock mit Reinigung und Friseur soll alles schöner werden.

Aldi-Suisse-Sprecher Sven Bradke bei der Eröffnung der ersten vier Schweizer Aldi-Filialen.

(Foto: Foto: AP)

Ginge es nach Rämi, müsste sich auch die Aldi-Filiale im Erdgeschoss herausputzen. "Die Waren sind ungepflegt präsentiert", sagt die Dame mittleren Alters. Sie trägt einen Blazer in dezentem Beige. Die Hose passt farblich perfekt. Andere Kundinnen im Aldi sind nicht so schick gekleidet.

Rämi ist zuvor noch nie beim deutschen Discounter gewesen, obwohl Aldi am 27. Oktober vor einem Jahr die ersten Filialen in der Schweiz eröffnete. Sie ist entsetzt, dass die meisten Waren auf Paletten liegen statt in Regalen. Nur bei den Blumensträußen wird sie einen Moment schwach. Sie lässt die Rosen aber im Ständer stecken.

Halb verwelkte Blumen

"Die Blumen sehen aus, als ob sie verwelkt sind, bis ich zu Hause bin", schimpft Rämi. Nach dem ersten Besuch ist ihr klar: "Zu Aldi gehe ich nicht mehr so schnell." Rämi steht mit ihrer Abneigung gegen die Paletten-Kultur nicht allein da. Viele Schweizer erzählen, dass sie lieber in den Supermärkten von Migros und Coop einkaufen.

Die beiden Filialisten heimsen zwei Drittel des Schweizer Einzelhandelsumsatzes von 40 Milliarden Franken ein. Dagegen ist Aldi mit seinen 18 Filialen und einem geschätzten Jahresumsatz von 190 Millionen Franken eine kleine Nummer.

Thomas Rudolph, Leiter des Instituts für Marketing und Handel an der Universität St. Gallen, vermutet, "dass es für Aldi in der Schweiz nicht so gut läuft, jedenfalls wenn man das Geschäft am Erfolg in Deutschland misst".

Spärlich belegte Parkplätze

Er stützt seine Meinung auf Beobachtungen. Rudolph erzählt von teilweise spärlich belegten Parkplätzen vor den Filialen und von halb gefüllten Einkaufswagen.

Seit im April, nur sechs Monate nach der Eröffnung, Ulrich Born, der Verwaltungsratspräsident und Schweizer Geschäftsführer von Aldi ging, teilen einige Beobachter die Skepsis von Rudolph. Offiziell heißt es, Born sei aus persönlichen Gründen ausgeschieden. Seine Aufgaben erledigen nun Armin Burger und Roman Heini.

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