Deutsche Post Razzia bei Postchef Zumwinkel

Post-Chef Zumwinkel im Visier der Fahnder: Die Polizei hat am Morgen das Privathaus und das Büro des Vorstandsvorsitzenden durchsucht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Verdacht auf Steuerhinterziehung. Angeblich geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag.

Ein Post-Sprecher sagte auf Anfrage zu sueddeutsche.de: "Ja, es gibt ein Ermittlungsverfahren gegen Herrn Dr. Zumwinkel." Mehr wollte der Sprecher nicht sagen und verwies auf die Staatsanwaltschaft.

Schwere Vorwürfe gegen Postchef Klaus Zumwinkel: Hat er unversteuertes Geld am Fiskus vorbeitgeschleust?

(Foto: Foto: picture-alliance/dpa)

Das ZDF und Spiegel Online hatten am Morgen berichtet, die Staatsanwaltschaft Bochum prüfe, ob Zumwinkel einen zweistelligen Millionenbetrag am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust habe.

Ermittler hatten am Morgen gegen sieben Uhr zeitgleich in der Zentrale des Konzerns in Bonn und in der Villa Klaus Zumwinkels im Kölner Stadtteil Marienburg begonnen. Die Operation sei seit Wochen unter strengster Geheimhaltung geplant worden.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum, Bernd Bienioßek, bestätigte auf Anfrage "Ermittlungen in einem reinen Steuerstrafverfahren", zu dem derzeit Durchsuchungen liefen. Aus Rücksicht auf das Steuergeheimnis und die laufenden Aktionen nannte er keine Namen. Am Mittag wollte die Staatsanwaltschaft eine schriftliche Erklärung herausgeben. Das Vorliegen eines Haftbefehls wurde von der Staatsanwaltschaft bislang nicht bestätigt.

Das ZDF meldet auf seiner Website, dass die Ermittler vermuten, Zumwinkel habe auf einem Bankkonto in Liechtenstein einen zweistelligen Millionenbetrag deponiert hat, der nicht versteuert wurde. Laut Spiegel Online soll der Postchef seit zwei Jahrzehnten mit Hilfe einer Stiftung im Steuerparadies Liechtenstein Geld hinterzogen haben.

Das Vermögen dieser Stiftung soll mehr mehr als zehn Millionen Euro betragen, hieß es übereinstimmend. Aus Aufzeichnungen eines Liechtensteiner Geldinstituts soll außerdem hervorgehen, dass der Postchef auch überlegt habe, sein Vermögen nach Asien oder auf die Cayman-Inseln zu verlagern, berichtete Spiegel Online.

Nach Informationen von Spiegel Online wird bereits seit Sommer vergangenen Jahres gegen einen Familienangehörigen Zumwinkels ermittelt. Es solle um Millionen in Liechtensteiner Stiftungen gehen. Eine anonyme Anzeige hatte dieses Steuerverfahren demnach ausgelöst.

Zuwinkel gilt als einer der mächtigsten deutschen Manager. Er ist der dienstälteste Chef eines Dax-Unternehmens und sitzt zudem in zahlreichen Aufsichtsräten. Seit fast 19 Jahren steht er an der an der Spitze der Deutschen Post.

Es war erwartet worden, dass der 64-Jährige, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Telekom ist, noch vor Auslaufen seines Vertrags zum Jahresende aus Altersgründen von seinem Posten zurücktreten würde.

Erst im vergangenen Dezember war Zumwinkel unmittelbar nach der Verabschiedung des Post-Mindestlohn-Gesetzes durch den Deutschen Bundestag aufgefallen, weil er ein umfangreiches Aktien-Paket abgestoßen hatte. Der Kurs der Papiere war nach der Verabschiedung des Gesetzes deutlich gestiegen, Zumwinkel verdiente am Aktienverkauf mehrere Millionen Euro.

Für die Deutsche Post arbeiten mehr als 500.000 Menschen.