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Der mobile Briefkasten:Päckchen to go

Die mobile Gesellschaft lässt sich Privatpost zunehmend in die Arbeitsstelle schicken. Mit "Packstationen" will die Post dem Strukturwandel Rechnung tragen.

Die Lobby eines Hamburger Geschäfts-Hochhauses: Spiegelnder Boden, dezente Musik, geschäftig ein- und ausgehende Angestellte, Blumengestecke in freundlichen Farben.

Eine der ersten Packstationen der Deutschen Post in Frankfurt. Foto: dpa

Eigentlich ein durchweg positiver Gesamteindruck, wären da nicht die kleinen Türme von Postpaketen, über die die Damen hinter dem Empfangstresen mit leicht genervtem Gesichtsausdruck hinwegsteigen müssen.

Private Post ins Büro

Ab und zu verschwindet eines der Päckchen unter dem Arm eines Angestellten im Aufzug; wenig später bringt ein Postbote ein neues.

Zugegebenermaßen eine erdachte Szenerie, die allerdings nicht so abwegig ist, wie sie auf den ersten Blick scheint. Immer mehr Menschen lassen sich nämlich ihre Privatpost an ihre Arbeitsstelle schicken.

Bei der Commerzbank in Frankfurt zum Beispiel waren es nach Angaben eines Unternehmenssprechers schließlich so viele private Sendungen, dass man sich vor kurzem entschloss, sie nicht mehr anzunehmen.

Problem seien dabei vor allem der Platz gewesen, den man für ihre Lagerung benötigte und der Aufwand, den sie mit sich brachten: "Wenn die Lobby-Angestellten den ganzen Tag über damit beschäftigt sind, Mitarbeiter im Haus zu orten und ihnen Privatpost zukommen zu lassen, dann bleibt wenig Zeit für ihre Hauptaufgabe, nämlich den Empfang und die Betreuung ankommender Gäste", so die Begründung bei der Bank — Empfangsmitarbeiter sind keine Post-Angestellten.

Einkaufen rund um die Uhr

Nach Einschätzung der Deutschen Post gibt es mehrere Gründe für die neue Erscheinung. Da ist zum einen die große Beliebtheit der Internetkäufe und -verkäufe. Seien es Bücher oder CDs von Amazon, bei e-bay ersteigerte Schallplatten oder das beim Tele-Shopping bestellte Teflon-Pfannenset — alles kommt per Post ins Haus.

"Einkaufen unabhängig von den Ladenöffnungszeiten — das ist ein großer Trend", beobachtet man bei DHL. Der Express-, Fracht- und Logistikdienstleister der Deutschen Post ist Hauptpartner der beiden Internet-Kaufhäuser und verzeichnet einen großen Zuwachs der Internet-Sendungen.

Singles und Großstädter

Allerdings treffen die Zusteller laut DHL immer weniger Paketempfänger zuhause an. Besonders Singles — die zum Beispiel in München über 50 Prozent der Haushalte bewohnen — sind zu den Zustellungszeiten meistens bei der Arbeit. Nicht viel besser sieht es bei Familien aus, in denen beide Partner berufstätig sind und die Kinder zur Schule gehen.

In Dörfern und kleineren Städten können hilfsbereite Nachbarn stellvertretend Post annehmen; in den vergleichsweise anonymeren Großstädten ist das schon seltener der Fall.

Einfach vor der Türe abstellen dürfen die Zusteller weder Päckchen noch die bis zu einem Warenwert von 500 Euro versicherten Pakete, deren Empfang quittiert werden muss — es sei denn, der Adressat wünscht das ausdrücklich.