Chinesische App:Tiktok unter Verdacht

Reuters Digital News Report

Mehr und mehr Social Media bei den 18- bis 24-Jährigen.

(Foto: imago images/Hollandse Hoogte)

Angeblich sendet die App Nutzerdaten nach China. Darin sehen die USA eine Gefährdung der nationalen Sicherheit. Der Anbieter widerspricht.

Von Christoph Giesen, Peking

Die US-Regierung lässt die erfolgreiche chinesische App Tiktok auf eine mögliche Gefährdung der nationalen Sicherheit hin untersuchen. Zwei Jahre nach dem Verkauf des US-Start-ups Musical.ly an die chinesische Firma Bytedance prüfe eine Kommission für ausländische Investitionen die Übernahme, berichteten die New York Times und die Washington Post unter Berufung auf Regierungskreise. Dabei gehe es auch um die angebliche Weitergabe von Daten an Behörden in China. Bytedance hatte demnach bei der Übernahme zugesagt, Musical.ly separat von seinen chinesischen Apps weiter zu betreiben. Ein Jahr später wurde das amerikanische Angebot jedoch in den Dienst Tiktok integriert. Ein Bytedance-Sprecher erklärte der New York Times, das Vertrauen der Nutzer und Behörden in den Vereinigten Staaten habe für das Unternehmen oberste Priorität. Tiktok sende keine Nutzerdaten nach China.

Tiktok ist die erste App eines chinesischen Anbieters, die weltweit zum Erfolg geworden ist. Genutzt wird die Anwendung vor allem von Teenagern. Das Prinzip ist simpel: Man zeichnet mit dem Smartphone ein Video auf und lädt es hoch, maximal 15 Sekunden dürfen die Aufnahmen lang sein - verdichtetes Youtube also. Sobald man Tiktok startet, beginnt im Hintergrund künstliche Intelligenz zu arbeiten, schon nach wenigen Videos, die man zu sehen bekommen hat, hat die App die Interessen ausgewertet und blendet zielsicher nur noch für den Nutzer relevante Clips ein. Jugendliche verbringen so Stunden mit Tiktok, hangeln sich von einem Video zum nächsten, ohne Ende.

Alleine in den USA soll Tiktok bereits etwa 110 Millionen Mal heruntergeladen worden sein. Die aktuelle Bewertung von Bytedance liegt - auch deshalb - seit der letzten Investorenrunde bei sagenhaften 75 Milliarden Dollar.

Die jüngste Prüfung wurde von Beschwerden im amerikanischen Kongress ausgelöst. Der demokratische Senator Chuck Schumer und der Republikaner Tom Cotton hatten den US-Geheimdienstkoordinator (DNI) Ende Oktober zur Einleitung einer Untersuchung aufgefordert. Die Experten sollten "eine Einschätzung der Gefährdung der nationalen Sicherheit durch Tiktok und andere Plattformen in chinesischer Hand in den USA" abgeben, forderten die Senatoren. Obwohl Tiktok nicht in China erhältlich sei, müsse Bytedance den chinesischen Gesetzen Folge leisten, inklusive der Unterstützung der Geheimdienste. Dies könne ein mögliches Einfalltor für chinesische Spionage sein, hieß es.

Tiktok war auch kritisiert worden, weil kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen waren. Mark Zuckerberg, der Chef des Konkurrenten Facebook, der auch Instagram betreibt, warf Tiktok daher Zensur vor, die sogar in den USA zu spüren sei. Die Firma wies den Vorwurf zurück.

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