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Burberry zieht es nach China:Auch Kate Moss sagt nein

Zugleich versichert Cartwright, dass teure ,,High-end''-Fabrikationen, wie zum Beispiel die Trenchcoats, nicht in Billiglohnländer ausgelagert werden sollen. Burberry hat derzeit noch weitere Produktionsstätten in Castleford, West Yorkshire, South Yorkshire und Rotherham.

Doch was sind die Versprechungen des Managements wert? Es sei ein klassischer Fall von Gier, in denen die Anleger, die ,,Shareholder'' der Modefirma, einen Logenplatz an Gottes rechter Seite erhalten, die Arbeiter aber in die Hölle geschickt würden, giftete die Boulevard-Zeitung Daily Mirror.

Der Fall Burberry entfacht Emotionen auf der Insel. Die Fabrikschließung in Treorchy hat sich für den Luxusgüterhersteller längst zum PR-Desaster ausgeweitet.

Gutbetuchte Kunden gehen auf Distanz

Sogar Burberrys gutbetuchte Kunden gehen auf Distanz. Auch Prince Charles sei besorgt, meldeten britische Medien. Der Sänger Sir Tom Jones, die Oscar-Preisträgerin Emma Thompson und das Model Kate Moss schlossen sich einer von der Gewerkschaft GMB organisierten Protestaktion vor Burberry-Läden an. ,,Haltet Burberry davon ab, unsere Herzen zu brechen'', prangte auf großen Protestplakaten.

Die GMB rechnete vor, dass Burberry in Treorchy mit Herstellungskosten von 11 Pfund für ein Poloshirt profitabel gearbeitet habe. Der Ladenpreis für die bunten Baumwollhemden liegt bei 55 Pfund. Das sind umgerechnet etwa 80 Euro.

Königlicher Hoflieferant

In London lud der Besitzer des Luxuskaufhauses Harrods, Mohamed Al Fayed, die Burberry-Protestanten sogar zum Lunch ein. Er sei auf ihrer Seite, sagte Al Fayed. Sogar in New York, Las Vegas, Chicago und Paris kam es vor Burberry-Geschäften zu Kundgebungen. Der walisische Labour-Unterhausabgeordnete Chris Bryant beantragte im Parlament, der Edelmarke das Gütesiegel als königlicher Hoflieferant zu entziehen.

Genützt haben die Proteste allerdings nichts. 200 Kilometer weiter westlich von London, abseits der Luxusboutiquen der britischen Hauptstadt, macht sich in den walisischen Bergen Resignation breit. Burberry-Mitarbeiter Harris muss nächste Woche zum Arbeitsamt gehen. ,,Ich habe zwei Kinder zu versorgen. Das Arbeitslosengeld reicht nicht. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Andere Jobs gibt es hier praktisch nicht'', sagt der Familienvater.

Seine Kollegin Gaynor Richards hat mehr Glück gehabt. Die 42-Jährige, die mehr als 20 Jahre bei Burberry gearbeitet hat, ließ sich zur Altenpflegerin umschulen. ,,Es ist zumindest eine kleine Chance'', sagt die Frau.

Mehr als 50 Kohlezechen geschlossen

Die Menschen im Rhondda-Tal wissen, dass ihnen nicht viel geschenkt wird. In den achtziger Jahren schlossen die letzten der einst mehr als 50 Kohlezechen. Zehntausende verloren ihre Arbeitsplätze. Erholt hat sich das Tal von diesem wirtschaftlichen Aderlass nicht. Die Region gehört bis heute zu den ärmsten in der EU mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 15 Prozent.

Das hat auch einschneidende soziale Folgen: Viele junge Leute wandern ab. Nur die Alten bleiben zurück. Die Menschen leben in den typischen kleinen Reihenhäusern, die sich entlang der Straßen das Tal hinaufziehen. ,,Das ist meine Heimat. Ich gehe hier nicht weg'', beteuert Harris.

Der Arbeiter hat sich selbst einen Vorschlag überlegt, wie die Fabrik in Treorchy vielleicht doch noch erhalten werden könnte. ,,Ich denke, die vielen reichen Kunden könnten für ein Polohemd ohne Probleme zwei Pfund mehr bezahlen'', sagt er. ,,Dann muss Burberry nicht nach China.''

© SZ vom 31.03.07
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