Börsenweisheiten Früher oder später

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Teil neun der Serie: vom vorschnellen und vom verspäteten Verkauf von Aktien.

Von Katharina Prechtl

Im Aktiendepot steht hinter dem Kaufkurs ein grünes Plus, ein kleiner Pfeil zeigt nach oben. Die Aktie hat an Wert gewonnen, der Anleger hat sein Vermögen vermehrt. Doch ein Kursgewinn am Aktienmarkt ist zunächst nur ein Gewinn auf dem Papier. Zu Geld auf dem Konto wird dieser erst, wenn die Kursgewinne irgendwann auch realisiert werden, das heißt wenn der Aktionär seine Anteilsscheine mit Gewinn verkauft. Die Börsenweisheit "An Gewinnmitnahmen ist noch niemand gestorben", soll Anleger daran erinnern, die Kursgewinne zu Geld zu machen, also die Aktien auch mal zu veräußern. Doch sind solche regelmäßigen Gewinnmitnahmen wirklich sinnvoll?

Vor allem, wenn es an der Börse über längere Zeit gut lief und Anleger einer etwas unsichereren Zeit entgegenblicken, entscheiden sich viele dazu, Gewinne einzukassieren - obwohl aus den Unternehmensdaten nicht ersichtlich ist, dass die Aktien zukünftig an Wert verlieren könnten. Das klingt zunächst nach einer Sicherheitsentscheidung, bei der man nicht viel falsch machen kann. Allerdings ist es kein Argument, aus einer gut laufenden Aktie auszusteigen, nur weil sie schon seit längerer Zeit gut läuft.

Statt vorschnell Papiere zu verkaufen und Gewinne einzustreichen, sollte man zunächst überlegen, ob es überhaupt eine bessere Anlagealternative für das Geld gibt. "Der Anleger kommt nicht umhin, regelmäßig aufs Neue zu entscheiden, ob eine Aktie seiner Meinung nach das wert ist, was an der Börse für sie verlangt wird. Oder ob er - trotz guten Laufs - nicht sogar nachkaufen sollte", sagt ein Sprecher des Vermögensverwalters DWS. Findet sich keine bessere Möglichkeit zum Investieren, sollte man die Gewinne möglicherweise laufen lassen.

Eine Strategie für sicherheitsorientierte Anleger hingegen ist es, stets nur einen festen Betrag in Aktien anzulegen und die Gewinne regelmäßig abzuschöpfen. Das bedeutet weniger Risiko - aber auch weniger Rendite. "Ein Blick auf die Kurszettel von vor 20 Jahren zeigt, wie regelmäßig auch Dax-Konzerne, die lange gut liefen, von eben jenem Zettel verschwinden können", sagt der DWS-Sprecher. Von Zeit zu Zeit Gewinne mitzunehmen kann also das Herz schonen, gestorben ist an Gewinnmitnahmen bestimmt noch niemand. Die eine oder andere gute Investition aber schon.